Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)
1. Tanulmányok - Kovačevičová, Sona: A határ mint kultúrtörténeti probléma
slowakische Bourgeoisie. Einen Teil erhielten auch die Kleinbauern. Für sie ließ die Regierung Musterkolonien (bei Bina und Galanta) nach den Grundsätzen des modernen ländlichen Urbanismus und moderner Bauprinzipien errichten. Zu den neuen Besitzer gehörte aber nicht die ungarische Bevölkerung. Dieses Unrecht fand nach 1938 Vergeltung, als die Große Schüttinsel sowie ein weiterer Teil der Südslowakei von Horthy-Truppen besetzt wurden. Diese vertrieben nicht nur die Besitzer des Restgrundbesitzes, sondern auch die Kleinbauern. Den Boden und die Häuser nahm sich die ungarische Bevölkerung. Die Landbevölkerung verstand die neuen modemen Bauprinzipien nicht. Sie zerstörten sie relativ rasch. Um so mehr Energie widmete man der Bodenverbesserung, was nach 1950 zur Gründung großer und prosperierender Gärtnereien und sogenannter Millionärsdörfer führte, die Paprika, Tomaten und Melonen produzierten. Nach 1945 verschärften sich die ethnischen Probleme infolge der durch die tschechoslowakische Regierung angewandten Stalinistischen Nationalitätenpolitik. Ähnlich wie die deutsche Bevölkerung in den Sudeten und in der Zips wurden auch die Magyaren zur Abschiebung verurteilt. Werber überredeten in der Ungarischen Tiefebene und im Banat die Slowaken zur Übersiedlung in das Heimatland, also in die Slowakei. Die Situation begann sich dadurch zu komplizieren, weil die ersten Transporte meist reicher und gebildeter Bauern schon in der Slowakei waren. Aber Platz fand sich für sie nicht, weil Rákosi es ablehnte, die Ungarn aus der Slowakei aufzunehmen. Die Regierung löste die Situation dadurch, daß sie die magyarische Bevölkerung häufig nicht nur mit Versprechungen, sondern auch gewaltsam aus der Südslowakei in die leeren Sudeten umsiedelte. So geschah es, daß es zu einem totalen Durcheinander und zu Unrechtmäßigkeiten, begangen an der Bevölkerung der Südwestslowakei, kam. Die häufig verstreut angesiedelten reichen Bauern aus Ungarn und dem Banat gerieten zwischen die ärmere ungarische Bevölkerung, die auch dadurch diskriminiert wurde, weil es zwei Jahre nach dem Krieg weder Schulen, noch kulturelle oder soziale Einrichtungen gab. Die Vergeltung kam in Form eines Klassenkampfes, den diesmal die ärmsten ungarischen Bauern gegen die reicheren slowakischen Umsiedler führten. Das zweite Unrecht bestand in der Einführung der sogenannten Mehrheitsschulen. Die verstreut angesiedelten Repatrianten wurden gezwungen, ihre Kinder in ungarische Schulen zu schicken, oder in den Bezirksstädten slowakische Intematschulen zu bezahlen. Man muß sagen, daß auch trotz dieser Obstruktion die slowakische und ungarische Bevölkerung, häufig unter großen materiellen Opfern, ihre Kinder nicht nur auf Fachschulen, sondern auch auf in- und ausländische Hochschulen schickte. Heute ist für die Große Schüttinsel nicht nur eine hochentwickelte Agrargroßproduktion, sondern auch eine bilinguale Schicht Intellektueller, die häufig auch weitere Weltsprachen perfekt beherrscht, charakteristisch. Leider wußte die Demokratie nach 1989 nicht rasant genug an die progressiven Knotensituationen der sich kreuzenden Grenzen anzuknüpfen. Im Gegenteil, verantwortungslos geführte Vereine und einige Politiker lassen das in der Vergangenheit auf der einen wie auf der anderen Seite begangene Unrecht wieder aufleben. Ich nehme an, daß die ausgewählten Beispiele der Knotensituationen und Berührungen der einzelnen Grenzen eine Aussage darüber erlauben, wann die einzelnen Grenzen, beginnend bei den ethnischen und endend bei den gesellschaftlichen, durchlässig werden und wann sie sich im Gegenteil feindselig verschließen. Die separierenden Grenzen und Konfliktknotensituationen werden gewöhnlich von oben durch die Ideologie ausgelöst. Leider bleiben sie im Wissen und Unterbewußtsein der Bevölkerung häufig auch nach der 148