Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)
1. Tanulmányok - Kovačevičová, Sona: A határ mint kultúrtörténeti probléma
Nach dem Rückzug der Türken aus Ungarn setzte in dem verwüsteten Gebiet eine rege Siedlungstätigkeit ein. Die Habsburger verteilten mit vollen Händen Boden und Privilegien an die ihr treue Aristokratie und den Landadel. Die Meierwirtschaft der großen Besitzungen der Familien Pálffy und Eszterházy führte einerseits zur Produktionssteigerung, andererseits zum Anwachsen des Kleinbauemtums. Auf den neuen Herrengütem bauten Wiener Architekten teure Schlösser. Die Kleinbauern bewohnten jedoch Lehmhäuser in der archaischen Ständerbauweise. Ende des 18. Jahrhunderts, in der Periode des wachsenden Agrarkapitalismus, hatte die Aristokratie kein Interesse an Unternehmen und Handel. Daher überließ sie die Verwaltung ihrer Güter und den Verkauf der Erträge den Juden, die hauptsächlich aus dem benachbarten Burgenland oder der Umgebung des mährischen Mikulov kamen. Ihre Verkehrssprache war Deutsch oder Jiddisch und mit der Zeit auch Ungarisch. Aus diesen, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem neologischen jüdischen Familien gingen namhafte Ärzte, Advokaten, Agronomen hervor, die ihre Ausbildung in Wien, Budapest und Berlin erhielten. Sie trugen zum wirtschaftlichen Wachstum des Gebietes bei. Von ihrer Wohlhabenheit und ihrem Niveau sprechen heute nur noch die erhaltenen Synagogen z. B. in Šamorín, Gabčíkovo, Veľký Meder, Komárno, Bátorové Kosihy, Štúrovo und in weiteren 14 Orten. In weiteren 80 Ortschaften lebten kleine jüdische Familien. Die Mehrheit dieser reichen jüdischen Bevölkerung wurde 1944 von den “Nyilasys” [Pfeilkreuzler, = ungarische faschistische Truppen, die ihren Namen durch das Pfeilkreuzsymbol bekamen. Anmerkung vom Herausgeber J.L.] auf den ‘Todesmarsch’ geschickt, von dem kaum jemand zurückkam. Nach dem Rückzug der Türken festigte sich definitiv die öffentliche und kirchliche Macht über dieses Gebiet. Der Westteil einschließlich des Zentrums Dunajská Streda gehörte unter die Burg zu Preßburg (Bratislava) und zum Preßburger Komitat. Der Burgverwalter Pálffy erlaubte den in Österreich und Deutschland verfolgten Protestanten, sich im westlichsten Teil der Großen Schüttinsel niederzulassen. Zu ihren Pflichten gehörte nicht nur die Pferdezucht (Vrakúň), sondern auch, die Burg mit Getreide, Gemüse und Blumen zu versorgen. Das Ende der 11 prosperierenden Gemeinden bedeuteten die Jahre 1945-46, als man sie im Sinne der von der Beneš-Regierung praktizierten Stalinistischen Umsiedlung nach Österreich und Deutschland deportierte. Die menschenleeren Ortschaften besiedelte man mit der oberslowakischen Bevölkerung aus dem Waagtalgebiet und teilweise auch mit Ungarn aus der Umgebung (Kovačevičová 1989). Der Ostteil fiel an das Komomer Komitat mit Zentrum in Komom, das Gebiet an der Mündung des Gran in das Graner (Esztergomer) Komitat. Die Hauptstädte dieser Komitate spielten eine wesentliche Rolle, nicht nur im regionalen, sondern auch im gesamtslowakischen und gesamtungarischen Leben. Das Wachstum und die Bedeutung Komoms hing mit dem Handel und Verkehr zusammen, den die Donau nach dem Frieden von Požarevac (Passarowitz) ermöglichte. Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden die Ungarische Tiefebene und das Banat zur Getreide- und Maiskammer Mitteleuropas, deren Produkte per Schiff nach Komom befördert wurden. Auf diesem Wege kam auch levantinische Ware (Gewürze, Teppiche, Seiden und Möbel) hierher. Von Komom aus wurde die Ware mit Gespannen, seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Bahn, nicht nur auf das Gebiet der heutigen Slowakei, nach Österreich und Böhmen, sondern auch weiter nach Westen gebracht. Handel und Transport hielten Griechen und Serben, die in der Stadt seßhaft wurden, in ihren Händen,. Ihre Enklave war so groß, daß sie sich eine orthodoxe Kirche voll mit griechischen Ikonen errichten ließen. Die Enklave verwaltete ein Pope. Mit dem Reichtum wuchs auch das Interesse an der Bildung, die ihre Wurzeln im Renaissanceprotestantismus hatte. Theater, Bankfinanzleben und Kultur wuchsen im 19. 146