Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)

1. Tanulmányok - Dröge, Kurt: "Poneránia néprajzi atlasza" és mai jelentősége

Thematisch muß eine wiederaufgreifende Beschäftigung mit den jeweils einzeln und sehr konkret zu betrachtenden Ergebnissen des APV über die mehr willkürliche und zufällige, ja einseitige Auswahl der behandelten Inhalte in ihrer Gesamtheit deutlich hinausgehen. Insbesondere die historische Sachkultur des pommerschen Raumes, die im APV praktisch vollständig fehlt, sollte quellenmäßig so gut erschlossen werden, daß sie auch kulturräumlich darstellbar wird und, vor allem, daß diese Darstellung die Entwicklung der letzten 50 Jahre mit umfassen kann, in denen es von polnischer Seite maßgebliche Vergleichsforschungen gegeben hat, denen die Verbindung zur älteren und heutigen deutschen Volkskundeforschung jedoch noch weitgehend fehlt. Gemeint sind hier noch einmal diejenigen materiellen und geistigen Teile und Bereiche der pommerschen Kulturlandschaft, die sich in dem und mit dem vollständigen Bevölkerungswechsel erhalten, weiterentwickelt und verändert haben. Die spezifische und tiefgreifende Problematik des APV mahnt hinsichtlich einer Würdigung seiner Gesamtergebnisse vor dem Hintergrund seiner Entstehungsumstände zur Vorsicht. Mehrere Gründe haben dazu geführt, daß dieses so besondere pommersche Atlas- Unternehmen nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland kaum noch rezipiert worden ist. Dieser Verzicht auf eine Rezeption erscheint bis heute wegen seines ethnozentrierten, die pommer­schen Grenzen geradezu als „Bollwerk“ zementierenden Ansatzes und aufgrund der durch die deutschen Nationalsozialisten erfolgten Vereinnahmung für den sogenannten „Grenzland­kampf4 gegen Polen als nachvollziehbar. Der Verzicht auf eine Rezeption gilt verständlicher­weise auch für die späteren kulturräumlichen Aktivitäten der polnischen Ethnographie wie den Polski Atlas Etnograficzny (PAE). Letztlich bedeutet dieser Verzicht aber auch, daß ein Stück Aufarbeitung in der nationalen Vergangenheit der deutschen und polnischen Volkskunde und Ethnographie fehlt. Mit einem kritisch reflektierenden Wiederaufgreifen des APV und seiner Inhalte könnte diese Aufarbeitung angegangen werden, womit kulturräumliche Methoden innerhalb der gegen­wärtigen Kulturwissenschaften, soweit sie über ostmitteleuropäische Themen arbeiten, eine neue Chance erhalten können, zur Erhellung des kulturellen Wandels über maßgebliche poli­tische und historische Zäsuren hinweg beizutragen. Leider ist das originale Belegmaterial des APV in der Greifswalder Germanistik zu DDR­­Zeiten nicht bewahrt worden und verlorengegangen. Auch dies bildet ein Stück Forschungsgeschichte, das es noch aufzuarbeiten gilt. Dennoch erscheint es lohnenswert, aus europäischer Perspektive einen neuen Blick auf das ethnographische Wissen zu werfen, soweit es im APV gesammelt und dokumentiert worden ist. Insbesondere die nähere verglei­chende Betrachtung der polnischen Nachbarregionen des ehemals deutschen Hinterpommem und heutigen Pomorze Zachodnie kann das Material in neuem Licht erscheinen lassen. Damit können Klischees und stereotype Interpretationsmuster, die auf unhinterfiragten, außerkul­turell einwirkenden Grenzen beruhen, aufgebrochen werden. Das noch vorhandene Material des “Atlas der Pommerschen Volkskunde” ist, so betrachtet, sicher nicht wertlos. 104

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