Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)
1. Tanulmányok - Dröge, Kurt: "Poneránia néprajzi atlasza" és mai jelentősége
Demgegenüber konnte Kaisers Blick nach Osten nicht offen sein, sondern unterlag den genannten politischen Einschränkungen. Es ist vor diesem Hintergrund bemerkenswert, welche doch recht klar formulierten Sätze gerade in dieser Hinsicht Kaiser in seinem Textband an mehr oder minder versteckter Stelle unterzubringen verstand: “Je weiter von Vorpommern aus ostwärts geschritten wird, umso dringender wird die andere Grundfrage der Pommerschen Volkskunde nach der Rolle des Slaventums in der pommerschen Volkskultur und in der pommerschen Volksüberlieferung. Auch hier spricht der ‘Atlas der Pommerschen Volkskunde ’ nicht das letzte Wort. Seine Beispiele sind auch nicht zahlreich genug, um auf ihnen allein so weittragende Entscheidungen aufzubauen. Aber die 44 Kartenbilder zusammen helfen dem aufmerksamen Betrachter, die Slavenfrage in ihre richtigen Grenzen zu verweisen. Pommern schlägt eine Brücke zwischen dem germanischen und dem slavischen Kreis. Pommern hat deshalb in der Deutschen Volkskunde eine Schlüsselstellung. Jede einzelne Karte muß in diesem Sinne betrachtet werden, ob das nun immer ausgesprochen wird oder nicht. Viele Karten vermögen noch keine völlige klare Antwort auf diese Fragen zu erteilen " (Kaiser 1936, 58). Diese Sätze, im Jahre 1936 niedergeschrieben, dürften insbesondere in ihrer zugleich vorsichtigen wie eindeutigen Diktion vor dem Hintergrund totalitärer Zensurbeschränkung für sich sprechen. Als seriöser Volkskundler hätte Kaiser allzu gern, so darf interpretiert werden, die politischen Grenzen und jene in den Köpfen überschritten, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, aber dies blieb ihm verwehrt. An dieser Stelle dürfte der zentrale Punkt liegen, an dem die heutige ethnographische Beschäftigung mit den territorial stark veränderten Kulturregionen Pommerns ansetzen kann. Denn bereits die Kartenbilder des APV stellen eine Vielfalt von Raumbildungen dar, die zwar auf Einzelphänomene bezogen sind, die es aber im Hinblick auf die Binnengliederung des historischen Gebietes Pommern aufzugreifen und näher zu verfolgen gilt. Belege für einen Einfluß von Süden, die Oder hinauf, könnten sich etwa für jüngere Zeitabschnitte bei einer Betrachtung der Karten 10 und 11 (Pfingsttaubenabwerfen, Tonnenabschlagen und Pfingstbaum), 40 (Redewendung zum Buttern) oder 44 (Redewendung zum Sturmwind) ableiten lassen (Grober-Glück 1974). Größere kulturelle Binnenräume innerhalb des historischen Hinterpommem deuten sich an etwa in den Karten 22 und 23 (Heiratsvermittler). Und eine kulturelle Kleinräumigkeit, die zwischen lokalen Eigenarten und einer eher unspezifischen Regionalität anzusiedeln ist, findet sich mit interessanten, dichtbelegten und zur Weiterarbeit auffordemden Kartenbildem etwa in Karte 21 (Kinderschreckgestalten) oder bei der Besprechung von Krankheiten und Vieh (Karte 41 und 42). In allen diesen und in möglichst vielen weiteren Fällen, in denen kleinere Regionen, vielleicht sogar Einzelorte im Rahmen von Mikrostudien als Untersuchungsfelder im Blick stehen sollten, ist es erforderlich, die entsprechende Überlieferung der Nachbarregionen hinzuzunehmen, was angesichts des Fehlens vergleichbarer kartographischer Werke aus der Zeit vor 1945 sicherlich mühselig ist und methodisch zuweilen schwierig sein kann. Am wichtigsten scheint die generelle Öffnung des Blickes über die historischen und gegenwärtigen territorialstaatlichen Grenzen hinaus zu sein, um die grundsätzliche Frage nach Kulturgrenzen (und Grenzkulturen) sowie diejenige nach dem Einfluß von territorialen und sprachlichen Grenzen auf die Kultur frei von mentalen und ideologischen Begrenzungen stellen zu können (Wiegelmann 1965). 103