Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)

1. Tanulmányok - Dröge, Kurt: "Poneránia néprajzi atlasza" és mai jelentősége

boten zu werden. Liest man Kaiser 1936 zwischen den Zeilen, so wird dessen großes Unbehagen deutlich bei der politisch bedingten Notwendigkeit, offenkundig slavische, pol­nische oder kaschubische Kultureinflüsse in Hinterpommem nicht als solche benennen zu dürfen. Ein gleichsam auf deutscher Seite populäres Ergebnis des APV ist die außerordentlich simplifizierende kulturelle, das heißt auf die Gesamtkultur bezogene, Dreiteilung Pommerns in Vor-, Mittel- und Hinterpommern gewesen. Sie wurde bereits von Holsten in ethnozen­­trierter, deutschtümelnder Weise mit ausschließlich deutschen Einflüssen der mittelalterlichen Besiedlung erklärt. Die darin gründende Einheitlichkeits- und Kontinuitätsprämisse, die angesichts der vielfältigen Veränderungen und Wandlungsprozesse in der Neuzeit nicht halt­bar ist, wurde ausweislich zahlreicher vorsichtiger Formulierungen bereits von Kaiser kritisch beurteilt, ohne daß er in seiner persönlichen, zeitgeschichtlichen und politischen Situation von einem anderen Punkt hätte ausgehen können. Dennoch hat er hier im Grunde eindeutig formuliert: “Der Reichtum an volkstümlicher Überlieferung im heutigen Pommern ist sehr groß. Die Buntheit dieser Überlieferung und ihre eigenartige Ausprägung in den einzelnen pommerschen Landschaften strafen die weit verbreiteten Vorurteile von der Eintönigkeit und Einfachheit Pommerns Lügen” (Kaiser 1936, 19). Glaubte er, daran festhalten zu müssen, eine “pommersche Volkstumsgeographie” als konsequente Folgerung aus einer Kulturraumforschung in Pommern entwickeln zu sollen, so betonte er immer wieder, daß ein solches Ziel erst in Zukunft erreicht werden könnte. Zeitgleich, aber offenbar sehr bewußt an anderer Stelle, hat Kaiser auch die Kontinuitätsprämisse Holstens recht klar abgelehnt: “Im Laufe von einigen Jahren bin ich bedenklich geworden gegenüber der Auffassung, daß die mittelalterliche deutsche Kolonisation das alles andere verdrängende Ereignis für die Ausbildung der heutigen pom­merschen Volkstumslandschaft sei. Nicht alles folgt dieser Regel, und nicht alles öffnet sich einem Generalschlüssel. Auch hier ist kaum ein Anfang gemacht” (Henschke 1936, 94). Kaiser war klar, daß die historische Dimension seinem APV noch nahezu vollständig fehlte: “Besonders schwierig ist es, die in der Gegenwart gemachten Beobachtungen zeitlich zurückzuverfolgen und so zu einer geschichtlichen Erklärung einzelner Erscheinungen zu gelangen” (Kaiser 1936, 14). Indem er in exemplarischer Form Wörterbuchuntemehmungen, literarische und Reiseschriften von Autoren des 19. Jahrhunderts als noch hinzuzuziehende Quellen nannte, machte er gleichzeitig deutlich, daß ihm das Fehlen historischer Quellengattungen, etwa für die Herleitung und Interpretation von Kartenbildem, schmerzlich bewußt war. Kaiser ist an dieser Stelle wohl in methodischer Hinsicht dem Atlas der deutschen Volkskunde einen Schritt voraus gewesen. Geht man, ohne das einsinnige Interpretationsmuster des “mittelpommerschen Keils” und der generellen kulturellen Dreiteilung im Kopf zu haben, an die Belegkarten des APV heran, so zeigen sich Kartenbilder, die zu zahlreichen Fragen anregen und Möglichkeiten eröffnen. Viele Kartenbilder provozieren geradezu eine Erweiterung des zu betrachtenden Raumes in alle Richtungen, vor allem über die ehemalige deutsch-polnische Grenze nach Osten, aber auch in südlicher Richtung nach Brandenburg-Preußen, in westlicher nach Mecklenburg und dem weiteren niederdeutschen Gebiet sowie in nördlicher nach Skandinavien. Diese nördliche Blickrichtung hat Kaiser selbst immer wieder einzubringen versucht; ihm fehlten aber die Voraussetzungen, um über Einzelfalle hinaus konkrete Forschungen kulturräumli­cher Art anstellen zu können. 102

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