Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)
1. Tanulmányok - Dröge, Kurt: "Poneránia néprajzi atlasza" és mai jelentősége
(Karte 36-38) hinsichtlich der räumlichen Verteilung die größte Affinität zu den von Robert Holsten herausgearbeiteten räumlichen Interpretationsmodellen und im übrigen auch zu den hauskundlichen Karten Wilhelm Peßlers aufweisen (Peßler 1906). Hier ist, jedoch eben wiederum ausschließlich im sprachlichen Bereich, eine großräumige Einteilung des pommerschen Gebietes sichtbar mit der recht klaren Trennung von Vor- und Hinteipommem sowie ansatzweise mit einer Dreiteilung, die dazwischen das mittelpommersche Gebiet als breiten Streifen mit eigenen Formen dokumentiert. An dieser Stelle liegt der wohl zentralste Punkt in der methodischen Problematik, die dem APV innewohnt. Kaiser hat mit seiner thematischen Auswahl samt Umsetzung in Kartenbilder, insbesondere aber durch seine Kartenkommentare, auf ziemlich massive Weise versucht, den “mittelpommerschen Keil”, das von Holsten herausgearbeitete Interpretationsschema aus der Wortgeographie, nach dem sich mit der deutschen mittelalterlichen Besiedlung ein neuer, mittelpommerscher Kulturraum keilförmig zwischen Vor- und Hintepommem hineingeschoben hat, auch für den volkskundlichen Bereich zu bestätigen. Damit hat er, zumindest oberflächlich betrachtet, ein sehr einseitiges Ziel verfolgt und maßgeblich dazu beigetragen, den “mittelpommerschen Keil” gleichsam zu glorifizieren und zu stereotypisieren, ohne seine Grundlagen in der Raumlagerung volkskundlich relevanter Formen hinreichend hinterfragt zu haben. Aus heutiger Sicht ist dazu festzuhalten, daß die - volkskundlichen - Kartenbilder des APV, obwohl sie von Kaiser unter diesem Gesichtspunkt gewählt und erstellt worden ist, im Gegensatz zu mehreren Wortkarten den “mittelpommerschen Keil” nicht oder höchstens in Einzelfällen zu bestätigen in der Lage sind, etwa auf der Karte zu Heißwecken als Fastnachtsgebäck (Karte 4) (Segschneider 1996). Damit soll jedoch keineswegs kategorisch behauptet werden, daß es den “Keil” in der Holstenschen oder einer ähnlichen Form nicht auch im Hinblick auf Erscheinungen des Alltagslebens gibt, sondern es muß dafür plädiert werden, diese Frage über die Karten des APV hinaus erst noch in systematischer Weise zu stellen. Kaiser hat im Textband des Atlas in intensiver, ja öfters redundanter und mitunter geradezu penetranter Form immer wieder die Bestätigung des “mittelpommerschen Keils” formuliert, dabei gleichsam zwischen den Zeilen immer deutlicher machend, wie unglücklich er selbst mit diesem selbstauferlegten Zwang war, als “Nachfolger” Holstens diesem nicht in maßgeblichen Punkten widersprechen zu dürfen. Kaisers Karteninterpretationen muß man gerade in dieser Beziehung als schwafelig und zuweilen mehr verhüllend als aufhellend bezeichnen, wodurch letztlich, so wird man sagen müssen, der APV als Gesamtwerk dauerhaft an Wert und Anerkennung verloren hat. Schaut man jedoch etwas näher auf die einzelnen Kartenbilder und die Kommentare von Karl Kaiser, so eröffnen sich, grundsätzlich natürlich nicht ganz unabhängig von der nun einmal gewählten Stoßrichtung des APV, die verschiedensten Möglichkeiten, einer kulturräumlichen Gliederung Pommerns näher zu kommen. Überwunden werden muß dabei zuallererst die östliche Begrenzung des Untersuchungs- und Betrachtungsraums, von der die kategorische Trennung eines deutschen und polnischen oder germanischen und slavischen Kulturraums präjudiziert worden ist, obwohl gerade Ostpommem mit seinen kaschubischen Kulturelementen zur Frage nach dem Verbindenden, nach dem Kulturkontakt statt dem Kulturkonflikt, geradezu herausfordert. Diese Frage ist von Robert Holsten vor 1933 zwar noch zugelassen, aber nicht vorurteilslos beantwortet worden, um dann nach 1933 ganz ver101