Die frage der Ungarn-Flüchtlinge von 1956 in Iserlohn. Quellensammlunk - A Szabolcs-Szatmár-Bereg Megyei Levéltár Kiadványai II. Közlemények 35. (Nyíregyháza, 2006)

Quellen - Zeitungsartikel

mitteilt, versuchten in den letzten Tagen mehrere Gruppen von Ungarn­Flüchtlingen - die ursprünglich für den Bergbau angeworben worden sind, sich für die Arbeit jedoch nicht eigneten und deshalb in das Lager eingewiesen werden mußten -, sich ohne Fahrkarte in Züge nach Wien einzuschmuggeln, um in ihre Heimat zurückzukehren. Als sie von Bahn­beamten daran gehindert wurden, kam es teilweise zu heftigen Auseinander­setzungen, die von der Polizei geschlichtet werden mußten. Das Arbeitsministerium in Düsseldorf betont in diesem Zusammenhang, daß eine Rückkehr der Ungarn-Flüchtlinge in ihre Heimat nicht ohne weiteres möglich ist, weil das von Flüchtlingen überfüllte Oesterreich sie nicht wieder hineinlasse. Die zuständigen Bonner Stellen suchen jetzt nach Mitteln und Wegen, dieses Problem zu lösen. Als Ursachen für die Unzu­friedenheit der Flüchtlinge nennen die verantwortlichen. Stellen Sprach­schwierigkeiten, Heimweh, das ungewohnte Leben, den Mangel an Wohnun­gen und den Mangel an Geduld, sich in den Arbeitsprozeß einzugliedern. Der „Revolutionsrat" der geflüchteten ungarischen Freiheitskämpfer und Widerstandspolitiker hat am Montagabend in einer öffentlichen Kundgebung in Straßburg unter Leitung des früheren Kampfkommandanten von Buda­pest, des Generals Király, vor Politikern des Europarates den Neutralitäts­Status nach Schweizer und Oesterreichischem Muster für ein freies und unabhängiges Ungarn verlangt. Der Revolutionsrat richtete an die UNO­Vollversammlung die Bitte, sich für dieses Ziel einzusetzen. General Király wies die Behauptung zurück, daß der Aufstand in Ungarn das Werk von Faschisten gewesen sei. Delegierte des Europarates aus Frankreich, Italien, Schweden und Belgien bekannten sich zur Solidarität mit den ungarischen Freiheitskämpfern. Der Bundestagsabgeordnete Kies inger apellierte an die Sowjetunion, „jetzt zu begreifen, was die Stunde geschlagen hat". Der Bundestagsabgeordnete Alt­mai er versicherte, die deutsche Sozialdemokratie, die Arbeiter und Gewerk­schaften stünden hinter den ungarischen Freiheitskämpfern. Es sei eine Geschichtsfälschung, den ungarischen Freiheitskampf einen faschistischen Restaurationsversuch zu nennen.

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