Die frage der Ungarn-Flüchtlinge von 1956 in Iserlohn. Quellensammlunk - A Szabolcs-Szatmár-Bereg Megyei Levéltár Kiadványai II. Közlemények 35. (Nyíregyháza, 2006)
Quellen - Zeitungsartikel
33. IKZ, 30. Januar 1957 S. 1. AUFNAHMESPERRE FÜR UNGARN Flüchtlingslager der Bundesrepublik „voll besetzt" dmt Bonn/Budapest, 30. 1. Die Bundesrepublik nimmt bis auf weiteres keine ungarischen Flüchtlinge mehr auf, weil die vorhandenen Lager durch tägliche Transporte von SpätAussiedlern und mit Sowjetzonen-Flüchtlingen besetzt sind. Diese Erklärung gab das Bundesvertriebenenministerium am Dienstag. Von den rückkehrwilligen Ungarn im Lager Schalding hat die ungarische Regierung elf Personen aus bisher unbekannten Gründen die Rückkehr verweigert - 115 Flüchtlinge erhalten Reisegenehmigungen. Vor dem Exekutiv-Ausschuß des UNO-Flüchtlingsfonds in Genf erklärte der österreichische Innenminister Helmer, Oesterreich habe es satt, um jeden Dollar zur Betreuung der Flüchtlinge zu feilschen und zu betteln. Das Sieben-Millionen-Volk der Oesterreicher habe mit den 70 000 Ungarn insgesamt 250 000 Ausländer zu ernähren und sei außerstande, diese Belastung allein weiterzutragen. Helmer sagte, die Washingtoner Erklärung, nach der nur Ungarn aus Lagern in Oesterreich in den USA aufgenommen werden sollen, wirken sich deshalb nachteilig aus, weil viele Flüchtlinge in Oesterreich bleiben wollten, um später die Chance der Auswanderung nach den Staaten zu haben. Helmer schlug vor, Washington möge erklären, daß in Zukunft auch aus anderen europäischen Ländern Flüchtlinge einwandern dürfen. Ein ungarisches Gericht verurteilte jetzt die amerikanische Journalistin Meyer-Chapelle, die Anfang Dezember ohne Visum in das Land gekommen war, zu 50 Tagen Gefängnis, die mit der Untersuchungshaft verbüßt sind. Die Amerikanerin wurde sofort ausgewiesen. Führende italienische Kommunisten, darunter der stellvertretende Parteivorsitzende Longo, sind bei der Rückreise von Moskau nach Rom mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Kadar in Budapest zusammengetroffen. Der frühere kommunistische Stadtrat von Mailand, prof. Giuliano, ist aus der italienischen KP ausgetreten, und zwar unter Berufung auf die Ereignisse in Ungarn.