Die frage der Ungarn-Flüchtlinge von 1956 in Iserlohn. Quellensammlunk - A Szabolcs-Szatmár-Bereg Megyei Levéltár Kiadványai II. Közlemények 35. (Nyíregyháza, 2006)
Quellen - Zeitungsartikel
Wetterlage, laufend abgeflogen. Das alles geschah ohne viel lauten Aufwand und ohne eine großartig propagierte Aktivität. Kurz vor dem Abflug in Riem fragte uns ein italienischer Kollege, ob die deutschen Leser sich sehr für das Schicksal der Ungarnflüchtlinge interessieren. In seinem Lande sei die Anteilnahme nicht sehr groß. Wir haben ihm mit gutem Gewissen antworten können, daß uns das eigene Schicksal gelehrt habe, solche Schmerzen wie die der Ungarn nachzufühlen. Wir meinten, Westdeutschland habe gerade in diesen Wochen sein Mitgefühl bewiesen. Allerdings waren wir uns sehr wohl der Bitterkeit bewußt, die sich bei manchen deutschen Flüchtlingen eingeschlichen hat, da sie die großzügige Hilfe für ihre ungarischen Schicksalsgenossen erlebten. Sie hat niemand mit einer Luftbrücke in einen sicheren Hafen geflogen, und niemand hat ihnen unterwegs ein Abendessen aus Eiern, Hühnerfleisch, Oliven, doppelt belegten Broten, Kaffee und Schokolade gegeben. Aber es ist eben vieles anders geworden... Ueberwiegend junge Leute Wir wunderten uns, wie gut die meisten ungarischen Flüchtlinge gekleidet waren - freilich, viel Gepäck besaßen sie außerdem nicht. Es waren überwiegend junge Leute, die mit uns flogen, darunter auffallend viele hübsche Mädchen. Die meisten unserer ungarischen Reisegenossen hatten sich zur Auswanderung nach Amerika entschlossen, weil sie in den USA Verwandte oder Freunde haben, aber auch, weil sie viel Geld zu verdienen hoffen. Unter ihnen waren überraschend viele „Intelligenzler". Ein Dozent für angewandte Mathematik erkundigte sich über dem Ozean bei unserem Flugzeugkommandanten eingehend nach dem amerikanischen Radarwarnsystem und drückte so einen dritten Hauptgrund für die Auswanderung seiner Landsleute aus: Das Sicherheitsbedürfnis. Erst nach erschöpfender Auskunft trank er beruhigt den Kaffee, den ihm die hübsche amerikanische Stewardeß reichte. Wir könnten den unzähligen Berichten über Einzelschicksale noch viele hinzufügen, zum Beispiel die vom 16 jährigen György, der von der Tanzstunde aus Revolution machte und nun in den USA Ingenieur werden will. Hinter jedem der Briefe des ungarischen Sicherheitsministeriums, die im Flugzeug herumgereicht wurden und die von dem Schicksal der Deportation berichten, verbirgt sich ein Leben voll Schmerzen und Tränen. Die Amerikaner haben für die ungarischen Flüchtlinge getan, was sie konnten. Träger der Einwanderungsaktion ist das „Intergovernment Committee for European Migration". Wir wissen nicht, was aus den Ungarn weiter werden wird. Aber wir sind nach dem, was wir miterleben konnten, überzeugt, daß die Amerikaner ihnen weiter helfen werden.