Die frage der Ungarn-Flüchtlinge von 1956 in Iserlohn. Quellensammlunk - A Szabolcs-Szatmár-Bereg Megyei Levéltár Kiadványai II. Közlemények 35. (Nyíregyháza, 2006)

Quellen - Zeitungsartikel

Da die Produktion, vor allem in der Industrie, infolge von Energie- und Rohstoffmangel gedrosselt werden müsse und 30 000 Verwaltungsangestell­te entlassen würden, müsse man damit rechnen, daß in den nächsten Wochen insgesamt 250 000 Menschen vorübergehend arbeitslos würden. Die Arbeits­losen sollen eine einmalige Abfindung und eine höchstens 21 Wochen dauernde Unterstützung zwischen 300 und 600 Forint erhalten. Die schwierige Wirtschaftslage werde vermutlich im Februar ihren Höhepunkt erreichen. Im Dezember wurden in Ungarn nur 15 Prozent des normalen Produk­tionsausstoßes erreicht. Am Wochenende ist in den ungarischen Urangruben bei Fünfkirchen ein Drittel aller Arbeiter entlassen oder in Kohlenbergwerke versetzt worden. Durch den Mangel an Strom mußte die Arbeit in den Gru­ben eingeschränkt werden. Im Zuge der Sparmaßnahmen in der Verwaltung wurden gleichzeitig zahlreiche Ministerien zusammengelegt oder aufgelöst. Wie das kommunis­tische Parteiorgan „Nep Szabadság" („Neue Freiheit") meldete, werden die Ministerien für Bergbau, Energie und chemische Industrie zu einem Minis­terium für Schwerindustrie zusammengelegt. Ferner werden die Ministerien für Erziehung und für Volksbildung zu je einem Ministerium verschmolzen. Das kommunistische Parteiorgan gab am Sonntag die Zahl der bei dem Aufstand in Budapest getöteten Ungarn mit 1800 bis 2000 an. Diese Zahl schließe die getöteten sowjetischen Soldaten nicht ein. Die Zahl der zwi­schen dem 31. Oktober und 1. Dezember in den Budapester Krankenhäusern eingelieferten Verwundeten bezifferte das Blatt mit 12 961. Moskaus „historischer Fehler" Die ungarischen Schriftsteller, deren Forderung nach größerer Demok­ratie nach Ansicht politischer Beobachter maßgeblich zu dem ungarischen Aufstand beitrug, haben am Wochenende betont, daß das militärische Ein­greifen der Sowjetunion in Ungarn ein „historischer Fehler" gewesen sei. In einer Erklärung des Schriftstellerverbandes heißt es: „Die Zeit wird kommen, in der eine große Macht ihre Fehler einsehen wird." Das Internationale Rote Kreuz fertigte am Wochenende in Wien den bisher größten Hilfstransport nach Budapest ab. Mit einem Eisenbahnzug, zwei Schiffen und zehn Lastwagenzügen wurden insgesamt 1534 Tonnen Hilfs­güter nach Budapest gesandt, darunter als deutsche Spende 700 Tonnen Mehl und 600 Tonnen Kohle.

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