Die frage der Ungarn-Flüchtlinge von 1956 in Iserlohn. Quellensammlunk - A Szabolcs-Szatmár-Bereg Megyei Levéltár Kiadványai II. Közlemények 35. (Nyíregyháza, 2006)

Quellen - Zeitungsartikel

Im Wirtschaftsleben herrscht ein vollständiges Chaos. Die Anwesenheit der Arbeiter in den Fabriken genügt nicht, um die Produktion in Gang zu bringen. Es fehlt überall an Rohstoffen und vor allem an Kohle, um deren Beschaffung sich die Regierung bemüht. Zur Verhinderung einer Massenar­beitslosigkeit wurde in der ungarischen Schwer- und Maschinenindustrie die Kurzarbeit eingeführt. Die Gewerkschaften fordern nun nachdrücklich die Gewährung von Unterstützungen für Arbeitslose, um ihnen ein Lebensmini­mum zu sichern. In einigen Tagen soll der Luftverkehr zwischen Budapest und Prag, Berlin, Moskau, Warschau, Sofia, Bukarest, Belgrad, Tirana und Wien wieder auf­genommen werden. Das könnte darauf hindeuten, daß die russische Beset­zung des Flughafens der ungarischen Hauptstadt gelockert wird. Außenminister Horváth, der unter Protest die UNO-Versammlung wäh­rend der Ungarn-Verhandlungen verlassen hatte, traf am Donnerstag auf der Heimreise nach Budapest in Plymouth (England) ein. Er meinte, daß die Russen Ungarn bald verlassen. Von Plymouth fuhr Horváth zunächst nach London, wo er zwei Tage in der ungarischen Botschaft verbringen will. 26. IKZ, 21. Dezember 1956 7. 4600 UNGARN FÜR NORDRHEIN-WESTFALEN Düsseldorf, (lnw) Das Land Nordrhein-Westfalen hat sich bereit erklärt, 4600 der ersten 10 000 Ungarnflüchtlinge aufzunehmen, die der Bundesre­publik zugewiesen wurden. Damit komme der ernste Wille des Landes zur Hilfeleistung zum Ausdruck, erklärte Arbeits- und Sozialminister Hemsath in Düsseldorf. Man dürfe jedoch nicht übersehen, daß Nordrhein-Westfalen die Hauptlast des deutschen Flüchtlingsproblems zu tragen habe. Die Durchgangslager des Landes seinen mit rund 60 000 Flüchtlingen überfüllt, der Zustrom halte an. Hemsath betonte, daß die Ungarn nicht gegenüber den deutschen Flüchtlin­gen aus der Sowjetzone bevorzugt werden dürften. Es sollte alles unter­bleiben, was auch nur den Anschein einer Bevorzung erwecken könnte. Der Minister begründete sein Verbot für den Sender „Freies Europa", das Flüchtlingslager Bocholt zu betreten. Dieser Sender solle verschlüsselte An­gaben über die Ungarnflüchtlinge in Bocholt senden. Man müsse damit rech­nen, daß diese Sendungen abgehört und entschlüsselt werden. Das könnte zu Vergeltungsmaßnahmen gegen die in Ungarn lebenden Familien der Flücht­linge führen.

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