Császár István - Soós Viktor Attila: Der ungarische Tarsitius. Das Leben und Martyrium von János Brenner, 1931-1957 (Szombathely, 2003)
Die Ermittlung
mit Farbe beschmiert war. Am Sonntag Abend wurden wir alle verhört. Man klagte mich an. der Herr Kaplan wäre in der Nacht des Mordes zu mir gekommen. Deshalb musste ich mir bei der Ermittlung alles geschehen lassen, was man einer Frau nur antun kann. Man tat mir alles an, sodass man mich am Ende um Verzeihung bat, sogar eine Keuschheitsuntersuchung wurde an mir vorgenommen. Damals hatte ich schon einen Freund. Wenn ich mit ihm ein Verhältnis gehabt hätte, dann hätte mich keiner freisprechen können, dass es nicht mit Kaplan Brenner geschehen war. Ich konnte mich immer in Zucht nehmen, ich machte zwar viel Spaß, ging aus und tanzte gut, aber wusste immer, wo die Grenze ist. Man verunglimpfte mich sehr und redete mir fast ein, was ich sagen sollte, aber ich habe nicht gelogen, sondern immer die Wahrheit gesagt. Am Ende bat man mich um Verzeihung. Als man den Mord nachspielte, durften wir aus unserem Haus gar nicht hinausgehen. Man passte so sehr auf, dass wir nicht einmal aufs Dach gehen durften, um zuzusehen. Ständig gingen wir zu Verhandlungen, ich musste immer und immer alles erzählen, was ich wusste, ich wurde ja als Kronzeugin vorgeladen. “ Gleichzeitig wurden László Fenyvesi und seine Frau, Emőke Monek in Répcelak mit ähnlicher Absicht aufgesucht. (Emőke Monek ist die Tochter des Gemeindevorstehers in Zsida. Sie lernte Kaplan Brenner in ihrem Heimatdorf kennen. Inzwischen heiratete sie und lebte zu der Zeit des Mordes und der Ermittlung mit ihrem Mann in Répcelak, ungefähr 100 km von Zsida.) Über das Verhör und die Verunglimpfung berichtet sie: „Ich arbeitete auf der Post in Répcelak. Am 15. Dezember war ich von 6 Uhr bis 22 Uhr im Dienst. Am Abend gegen 7- 8 Uhr klopften Ermittlungsbeamte an der Post. Zuerst erschrak ich und fragte, warum sie so spät kämen. Es war schon dunkel. Trotz meiner Angst machte ich die Tür auf und bat sie um den Ausweis. Ich dachte nicht, dass sie in böser Absicht gekommen seien. Ich meinte, János Brenner war oft 89