Császár István - Soós Viktor Attila: Der ungarische Tarsitius. Das Leben und Martyrium von János Brenner, 1931-1957 (Szombathely, 2003)

Die Ermittlung

bei uns zu Hause in Zsida, wir kannten ihn gut und jetzt suchen sie die Leute, die ihm nahe standen, um den Mörder schneller zu finden. Sie fragten, ob ich davon weiß, dass János Brenner Feinde hatte. Ich antwortete: 'Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand auf ihn böse gewesen wäre.' Dann schöpfte ich Verdacht und war entsetzt, als sie anfingen, an die Sache des ehrwürdigen Kaplans von anderer Seite her­anzugehen und fragten, ob er Frauengeschichten gehabt hätte. Sie forderten mich auf, einen kurzen Briefzu schreiben, als ob ich an meinen Geliebten schreiben würde. Da erschrak ich aber sehr. Diese Leute suchen nicht den Mörder, sondern einen Sündenbock. Ich erwiderte: 'Wenn sie meine Schrift sehen wollen, schreibe ich irgendetwas, aber ich werde keinen Liebesbrief schreiben.' Ich nahm das Statut und schrieb daraus einige Zeilen. Darauf sagten sie: 'Wir haben bei János Brenner einen Liebesbrief gefunden, den Sie geschrieben haben. Der war auch genauso unterschrieben.' Da war ich sehr ruhig und antwortete: 'Bei dem ehrwürdigen Herrn Kaplan haben Sie sicher keinen Brief von mir gefun­den. Bei Herrn Dekan können Sie meine Schrift finden, ich war für die Kirchensteuer zuständig und habe die Quittungen unterschrieben. Es ist möglich, dass Sie dort meine Unterschrift gefunden haben, sonst nichts, sicher keinen Liebesbrief, und fügte noch hinzu: 'Sie suchen umsonst, wenn Sie Liebesgeschichten finden wollen. Ich kann behaupten, er war so rein wie der Schnee. Sie dürfen den Mörder nicht in dieser Richtung suchen, sonst werden Sie nie einen finden.' Als ich am Sonntag früh von meinen Kollegen erfuhr, dass Kaplan János gestorben war, weinte ich sehr und schrieb meiner Mutter einen Brief. Natürlich war er mit Tränen ver­schmiert, das konnte man bestimmt an dem Brief sehen. Aber dieser Brief ist bei meiner Mutter nicht mehr angekommen, er wurde beschlagnahmt. Wenn ich im Nachhinein überlege, ist es klar, dass sie beab­sichtigten, den Verdacht auf uns zu lenken. Dies war eine schon vorbereitete Sache, alles ging planmäßig-eine Weile." 90

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