Császár István - Soós Viktor Attila: Der ungarische Tarsitius. Das Leben und Martyrium von János Brenner, 1931-1957 (Szombathely, 2003)

Die Ermittlung

Die beiden Brüder von János Brenner - László und József - wurden in die Polizei von Szentgotthárd vorgeladen. Sie berichteten davon: „Nach der Beisetzung kam es zum Verhör. Wir mussten nach Szentgotthárd fahren. Interessanterweise erhielten wir blitzschnell die Bewilligung zum Betreten der Grenzzone, die eigentlich immer so langsam ausgestellt wird. Nach den Methoden der AVO ließ man uns lange warten. Aus den Nachbarzimmern hörten wir verschiedene Stimmen und Schreie. Wir verloren allmählich die Geduld und ich bemerk­te zum Ermittlungsbeamten Béla Klamerusz: 'Wollen Sie etwas von uns? Sonst gehen wir weg. Dann wurden wir in ein Zimmer geführt, man legte uns Papierblätter vor und wir mussten alles niederschreiben, was wir überhaupt von unserem Bruder wissen. Der Ausdruck, 'was wir überhaupt wissen', bedeutete ein bestimmtes Wissen: Seine Liebesgeschichten. Das menschlichste' Regime entbehrte alles, was menschlich ist. Weder Bedauern noch Mitleid war zu spüren. Es gab vielleicht nur einen unter der Masse der Ermittlungsbeamten, der etwas Mitleid zeigte. Das andere Ziel der Ermittlung war der ehrwürdige Pfarrer unseres Bruders. Man wollte einen Mörder finden, es gelang aber nicht. Einer der Ermittlungsbeamten sagte angeblich: 'Wir haben viele Beziehungen Ihres Bruders untersucht. Ich kann sagen, wir haben nichts Kompromittierendes gefunden. Es ist allgemein bekannt, dass man die Priester und Ordensleute der katholischen Kirche mit Vorliebe in kompromittierende Situationen zu bringen suchte. Dies tat man, um die Priester, die zum Zölibat verpflichtet sind, bloßzustellen. Das Verhör von Somfalvis verlief folgendermaßen: „Im Laufe der Ermittlung war auch der Hund Kantor bei uns. Er kam auf der Spur in unser Haus, aus dem wir in der Nacht des Mordes hinausgegangen waren. Man nahm das Kleid meines Vaters mit der Begründung, es sei blutig, obwohl es 88

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