Császár István - Soós Viktor Attila: Der ungarische Tarsitius. Das Leben und Martyrium von János Brenner, 1931-1957 (Szombathely, 2003)

Die Ermittlung

wir zu A bendbrot gegessen und wie unser Kaplan gelebt hatte. Nachher gingen wir zu Fuß nach Hause im Dunkeln. Zwei Wochen lang klopfte man jeden Morgen um 9 Uhr ans Fenster und der Herr Dekan und ich mussten zum Verhör. “ Der Pfarrer - Ferenc Kozma - wurde also mehrmals verhört und geschlagen. Man ging mit ihm wie mit einem gemeinen Verbrecher um. Einer der Täter beichtete vermutlich nach dem Mord bei ihm, denn als er in seinen Heimatort kam, sagte er seinen Angehörigen folgendes: „Fragt mich nicht! Ich weiß um alles, der Mörder hat mir gebeichtet, ich darf nicht reden.“ (Das Beichtgeheimnis verpflichtet die Priester der katholischen Kirche.) Es fiel den Gläubigen auf, wenn man den Martyrertod von János Brenner erwähnte, sagte Ferenc Kozma ständig: „Oh, lassen wir das!“ Er wollte davon nicht reden, damit ihm nicht etwas unwillkürlich aus dem Mund rutschte. An seinem Gesicht konnte man den großen Schmerz sehen, den der Verlust seines Kaplans ihm bedeutete. Es tat ihm besonders weh, dass er davon nicht reden durfte. 1958 wurde der Pfarrer von Rábakethely nach Oszkó versetzt; dabei spielte der Mord bes­timmt eine Rolle. Ein Friedenspriester - István Varga aus Egyházasrádóc - nahm seinen Posten ein. Zu der Zeit wurde auch in der Pfarrei von Rábakethely in ein Krankenseelsorgebuch eingetragen, wenn der Priester zu einem Kranken ging, ihm die Sakramente zu spenden. Als die Ermittlungsbeamten im Pfarrhaus ankamen, rissen sie das letzte Blatt aus dem Buch, in dem die Eintragung von Kaplan Brenner stand. Die Polizei suchte im Laufe der Ermittlung als Schuldbeweis das Verhältnis zu einer Frau, um den ermordeten Kaplan in ein schlechtes Licht zu bringen. 87

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