Császár István - Soós Viktor Attila: Der ungarische Tarsitius. Das Leben und Martyrium von János Brenner, 1931-1957 (Szombathely, 2003)
Die Ermittlung
den Bescheid, er werde das Zimmer nicht verlassen, bis er die Liebesgeschichten seines Kaplans in ihrer Ausführlichkeit niederschriebe. Wenn er es nicht täte, könnte er sehen, was am Haken hängt. Als er aber nichts schrieb, weil er ohne Lüge nichts schreiben konnte, versuchte man sein Gedächtnis mit Gummiknüppeln aufzufrischen. Eine Woche lang fuhr ich jeden Abend zum Pfarrhaus in Kethely und verbrachte dort die Nacht, damit der Herr Dekan nicht allein bliebe. An den ersten Tagen der Ermittlung konnte der Herr Dekan noch nicht abschätzen, wie gefährlich es war, davon zu reden, was ihm bei der Polizei geschah. Damals redete er noch. Später verstummte er, wenn es um die Ermittlung ging. “ Im Laufe der Ermittlung wurden auch Hunde miteinbezogen. Alle Männer über 16 mussten zur Schule von Zsida gehen und wurden dort in Gruppen von 10-12 Leuten eingeteilt. Geruchsspuren wurden gesucht. Vom Hut, der am Tatort geblieben war, nahmen die Hunde den Geruch ab und beschnüffelten anschließend jeden. Selbst der berühmte Hund Kántor war mit dabei, aber ohne Erfolg. Am nächsten Tag wurde ein noch größerer Apparat eingesetzt und die Untersuchung dauerte sehr lang. Viele Ermittlungsbeamte hielten sich in der Polizei in Szentgotthárd auf. Ein nächstes Mal wurden die Gemeinderatsmitglieder einberufen zu ähnlichem Zweck. Die Einwohner mehrerer Dörfer wurden eingeschüchtert. Viele Menschen wurden verunglimpft und nachts verhört. Tante Málcsi erzählt davon: „Am Sonntagabend kam ein Mann namens Illés mit einem Auto, und er brachte Tante Rozi - Frau Rozália Dremmel Háklár - und mich in die Polizei nach Szentgotthárd. Wir wurden getrennt in ein Zimmer geführt. Erst nach Mitternacht kam ich dran. Man fragte mich über alles, sogar noch, was 86