Császár István - Soós Viktor Attila: Der ungarische Tarsitius. Das Leben und Martyrium von János Brenner, 1931-1957 (Szombathely, 2003)

Bekenntnisse

Darüber hinaus gab es noch eine andere Linie, die Polizeilinie. Auf jeder Polizeistation arbeiteten Staatssicherheitsleute, die für die Priester zuständig waren. Ein Priester, der kein Mitglied der Bewegung war, durfte an einer „Stelle 22“ nicht eingesetzt werden.- Was bedeutet genau „Stelle 22“?- Das ist der 22. Punkt der gesetzkräftigen Verordnung, wo aufgezählt wurde, dass an bestimmten Stellen, wie Stadt-, Bezirksamtssitz, kirchliche Institute, Ordinariat und Dekanat, nur die Priester eingesetzt werden durften, die vom Staat genehmigt wurden. Das war ein Fachbegriff.- Gab es auch innerhalb der Kirche Leute, die sozusagen „ die Verbindung hielten “?- Natürlich. Man konnte aber im Großen und Ganzen wissen, wer es war. Sie hießen „die III/III.“- „Mathematiker. “- Man konnte darum wissen. Sie mussten über alles berichten. Zum Beispiel, wenn in einem Dorf Firmung stattfand, musste am Abend jemand melden, was geschehen war, wer was gesagt hatte. Es war kein Geheimnis, dass meistens die Chauffeure, Pförtner und ähnliche Leute damit beauftragt waren, die dann die Informationen lieferten. Dr. László Gyürki - Was war „der Nachtbesuch“?- Die Staatsicherheitsleute. Es sei mir erlaubt, eine ganz konkrete Geschichte zu erzählen. Einen Mitpriester, der noch heute lebt (deshalb wage ich nichts Näheres zu sagen), wollte man für die Friedensbewegung gewinnen. Er war aber nicht bereit, sich der Bewegung anzuschließen. Die Staatssicherheit hätte ihn gern gehabt, gerade wegen seines Vaters, der 1919 Direktoriumsmitglied war. (Doch nun habe ich zuviel gesagt.) Auf diese Weise wollte man ihm die Möglichkeit einer Karriere 121

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