Borza Tibor (szerk.): A Magyar Kereskedelmi és Vendéglátóipari Múzeum évkönyve 1982 (Budapest, Magyar Kereskedelmi és Vendéglátóipari Múzeum, 1982)

Petneki Áron: A magyarországi gyógyfürdők idegenforgalma és vendéglátása a XVIII. század végén és a XIX. század elején

par Áron Petneki FREMDENVERKEHR UND GASTGEWERBE DER UNGARISCHEN HEILBÄDER AM ENDE DES 18. UND ANFANG DES 19. JAHRHUNDERTS Ungarns Reichtum an Heilwasserquellen war schon seit Jahrhunderten bekannt. Ein Besuch der Heilquellen in organisierterer Form jedoch gestaltete sich erst im 18. Jahr­hundert heraus. In erster Linie betrieb Kaiser Joseph II. die Entwicklung der ungarischen Badeorte (hauptsächlich Balatonfüred). Dar­über hinaus brachten die Napoleonischen Kriege einen Aufschwung des Fremden­verkehrs: Das Habsburgerreich war damals abgeschnitten von den westeuropäischen, den deutschen Bädern. Die Prosperität der Wirtschaft ermöglichte dem ungarischen Adel einen regelmäßigeren Besuch der Bade­orte. Vielfach wurde die Billigkeit der un­garischen Bäder gepriesen — doch war das bei weitem nicht eindeutig positiv. Es be­deutet gleichzeitig wirtschaftliche Zurück­gebliebenheit und Dienstleistungen auf einem erheblich niedrigeren Niveau. Auch die feudale Gebundenheit behinderte den weiteren Ausbau der Badeorte. Die Heil­quellen waren zumeist Privatbesitz (in der Hand weltlicher und geistlicher Grund­besitzer bzw. der Städte); den Badebetrieb führte nie der Besitzer, sondern stets ein Pächter (Arendator). Diesen wiederum band sein Pachtvertrag, er konnte die Preise nicht erhöhen, wodurch auch der Gewinn nied­riger blieb. Die Gäste in den ungarischen Bädern waren meist Einheimische oder kamen zu­mindest aus den Ländern des Habsburger­reiches. Zur besseren Bekanntmachung der Bäder, zur Steigerung des Badeverkehrs ent­stand eine Badeliteratur eigenen Typs, eine Mischung von medizinischem Fachbuch und Fremdenführer. Diese Literatur wollte den Gast in erster Linie mit der Naturschönheit der Badeorte, ihrer romantischen Lage, aber auch mit vergangener historischer Größe (Römer, Türken) beeindrucken. Die heimischen Heilbäder besaßen ein sehr charakteristisches äußeres Bild: Den Mittelpunkt bildeten immer das Bade- und das Brunnenhaus. Zur Badeanlage gehörten noch die Promenade, eine Kapelle, Gast­häuser und vielfach auch ein eigenständiges Kaffeehaus. Dem Gastgewerbe bereitete große Schwierigkeiten, daß sehr viele Gäste als Selbstversorger eintrafen: Sie brachten ihre eigene Bettwäsche mit, ihre Kücheneinrich­tung, ja sogar ihren eigenen Koch. Dennoch wurde bereits zu Anfang des 19. Jahrhun­derts in den Badeorten die table d'hôte eingeführt, wobei die Mahlzeiten für alle Gäste gleichzeitig und gemeinsam serviert wurden. Den erhalten gebliebenen Speise­karten ist zu entnehmen, daß die Mahlzeiten aus 6-8 Gängen bestanden, mit vielfältigen Fleischgerichten. Die Essenpreise waren in den ungarischen Bädern — gemessen hauptsächlich an den ausländischen - ausgesprochen billig; so war z. B. am Anfang des 19. Jahrhunderts ein 166

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