Horler Miklós: Győr-Moson-Sopron megye I. Sopronhorpács, plébániatemplom (Magyarország építészeti töredékeinek gyűjteménye 3. Budapest, 1995)

Gábor Bazsó: Die Pfarrkirche von Sopronhorpács

der Einwohnerschaft ausübten. Die Grundmauern der vermutlich im 12. Jahrhundert erbauten kleinen Kir­che kamen in der Vierung des gegenwärtigen Chores zum Vorschein. Das Fundament ihrer halbrunden Apsis verlief unter dem Hauptaltar. Diese Mauern wurden nicht für das spätere Gebäude verwendet. Die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtete Propsteikirche verfügte in ihrer ersten Form im Osten über eine einfache halbkreisförmige Apsis. An das Hauptschiff schloß sich von Süden her ein Seiten­schiff mit drei Arkaden an. Die Westfassade schmückte ein im Vergleich zu den Maßen der Kirche großes, repräsentatives Portal. Den westlichen Teil des Hauptschiffs nahm die großflächige Westempore ein, die leider vollständig unterging. Auf die oben geschilderte Bauperiode der Propsteikirche folgte vermutlich innerhalb weniger Jahre eine Erweiterung des Chores. Wohl schon in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wurde neben der Vierung, in Fortsetzung des Seitenschiffs, eine Kapelle mit drei Gewölbefeldern errichtet. Davon fand man bei der Freilegung zwar nicht einmal mehr die Grundmauern, doch durch ein Konsolenfragment in der Westecke so­wie die Wandbögen der drei Gewölbefelder in der Kirchenmauer ist dieser Raum im wesentlichen rekonst­ruierbar. Um das Jahr 1400 brannte die Kirche ab. Die Vierung und das Apsisgewölbe stürtzten ein. Bei der nachfolgenden Wiederherstellung erhielt die Vierung vermutlich eine Plattendecke. Die Apsis hatte derartige Schäden erlitten, daß sie fast völlig neugebaut werden mußte. Mit Ausnahme der Südseite, wo sich der Chor der Seitenkapelle anschloß, riß man die Mauern bis zum Sockel ab und errichtet über dem hufeisenförmigen Sockel einen unregelmäßig polygonalen Chor mit Rippengewölbe. Am Anschluß der Strebepfeiler nahm man die Stücke des früheren Sockelgesimses heraus und plazierte sie, mit neuen Steinelementen gleichen Profus ergänzt, auf den Strebepfleilern. Die Originalfenster behielten ihre Rahmen und wurden in den neuen Mauern eingesetzt, das Ostfenster verbreiterte man mittels Zweiteilung durch ein Steingitter. Gleichzeitig mit der Wiederherstellung entstand an der Nordseite eine kleine Sakristei. Im Laufe des 16. Jahrhunderts erlitt die Kirche erneut starke Beschädigungen. Unter Verwendung des Schutts wurde die Arkadenreihe an der Südseite zugemauert, und zur Zeit der Türken- bzw. Religionskriege nutzte man das einstige Seitenschiff als Kirche. Die übrigen Teile des Bauwerkes standen ohne Dach. In den Jahren 1715-1716 begann man mit dem Wiederaufbau. Das Dach wurde gedeckt, Hauptschiff und Chor des Gebäudes wurden von neuem bestimmungsgemäß verwendet, der bis dahin benutzte Anbau aber abgerissen. Zwischen 1737-1747 erhielt die Kirche ein Gewölbe und über dem Tor baute man einen Turm. Im Zeitraum zwischen 1957-1960 kam es zu der in der Einleitung erwähnten Restaurierung, wobei im Interesse der Freile­gung und Präsentation der mittelalterlichen Details an der Südseite ein neuer Anbau errichtet wurde. Die bei der Wiederherstellung gesammelten Steinfragmente inventarisierten wir im Rahmen des Lapi­darium Hungaricum genannten Programms, arbeiteten sie auf und führten weitere Forschungen durch, um die in den barocken Mauerwerken der Kirche als Baumaterial verwendeten mittelalterlichen Fragmente zu erfassen und nach Möglichkeit zu bestimmen. Das Studium der Fragmente bot Gelegenheit, einzelne ver­nichteter Gebäudeteile der Kirche theoretisch zu rekonstruieren sowie frühere Hypothesen in bezug auf die Baugeschichte weiterzuentwickeln. Die Kirche dürfte aufgrund ihres Stils in den beiden Jahrzehnten zwischen 1230-1250 erbaut worden sein. Inkonsequenzen im Ablauf des Bauvorhabens und Planmodifikationen könnten sich mit den veränder­lichen Ansprüchen des Erbauers erklären lassen, die Varietät des Stils hingegen damit, daß zur gleichen Zeit oder einander ablösend Meister mit unterschiedlichem handwerklichem Können an der Kirche gearbeitet ha­ben. In bezug auf die anspruchsvollen Steinmetzarbeiten sind an dem Gebäude vier grundlegend voneinander abweichende Stile zu beobachten. Wenn man die durch Dreiviertelsäulen gegliederten Triumphbogenpfeiler als zugehörig zu dem freigelegten Rest der sich anschließenden Apsis bestimmt, dann handelt es sich bei diesen Gliedern um die frühesten Details der bestehenden Kirche. Der Stil der vier Kapitelle, die die Eck­säulen krönen, steht dem dominanten Stil der Abteikirche von Ják sehr nahe. Von der Gliederung der inneren Nordwand des Hauptschiffs blieben die Spuren abgetragener Halbsäulen erhalten, in der östlichen Ecke aber der Rest einer Konsole. Im Lapidarium gibt es zwei Halbsäulenkapitelle, deren Parallelen wir aus Ják kennen und die sich anhand ihrer Maße diesen Halbsäulen zuordnen lassen. Reste, die auf die Mauergliederung des Schiffes oberhalb der Kapitelle hindeuten, wurden nicht gefunden, und mangels Analogien ist auch nicht re­konstruierbar, welche Raumabdeckung sich dieser Mauergliederung angeschlossen haben könnte. Ebenso zeigt das Hauptportal Verwandtschaft zu Ják. Sein Typ entspricht dem des dortigen Südportals. Die breite Abkantung der das Tor säumenden Pfeiler ist an den Portalen der Abteikirche von Lébény zu be­obachten. Die engste Beziehung weist es jedoch zum Westportal des Doms von Wienerneustadt auf, wo na­hezu alle wesentlichen Details auf ähnliche Weise wie in Horpács gelöst wurden. Leider kann diese enge Be­ziehung nur hinsichtlich der Konstruktion untersucht werden. Für einen Vergleich der Ornamentik besteht

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