Lővei Pál szerk.: Horler Miklós Hetvenedik születésnapjára Tanulmányok (Művészettörténet - műemlékvédelem 4. Országos Műemlékvédelmi Hivatal, 1993)

Réti Mária: Visegrád reneszánsz szobrászatának újabb kutatásai

Die Renaissancebildhauerei in Visegrád Mária Réti Aus dem Zeitalter der Renaissance, das in Ungarn im letzten Drittel des 15. Jhs. mit der Heirat des Königs Matthias I. mit Beatrix von Aragonien im Jahre 1476 einsetzte, sind nur sehr wenige Kunstwerke erhalten geblieben. In der ersten Hälfte der 80er Jahre des 15. Jhs. ließ König Matthias den Visegráder königli­chen Palast im Geiste der zeitgenössischen italienischen Renaissance umgestal­ten und mit Werken der Bildhauerei bereichern. Die bedeutendsten erhaltenen Denkmäler dieser Renaissance-Bildhauerei sind: der Wandbrunnen mit Löwen auf dem oberen Stockwerk, der im nördlichen Prunkhof stehende Herkules­brunnen und die Verzierungen der Kapelle: die Konsolen der Orgelempore, ein Lünettenrelief, die sog. Visegráder Madonna und die Bruchstücke des Taberna­kels aus Carraraer Marmor. Es war möglich, aus den Fragmenten des Tabernakels das gesamte Kunstwerk zu rekonstruieren; die beste Analogie dazu ist das Tabernakel der San-Lorenzo­Kirche in Florenz, das von Desiderio da Settignano zwischen 1453 und 1461 ge­fertigt wurde. Gewisse Architekturglieder, die Körperhaltung der Engel, die Aus­formung ihrer Hände und die Musterung der Draperie sind identisch. Das Vise­gráder Tabernakel könnte von einem italienischen Meister in Italien gefertigt worden sein, für den das Tabernakel des Desiderio da Settignano als Vorbild diente. König Matthias hatte am Hof Lorenzo de Medicis einen ständigen Boten, so ist es möglich, daß er das Tabernakel für die Palastkapelle vermittels dieses be­stellte. Auf dem Visegráder Tabernakel, im flechtwerkverzierten Stirnbogen ist ein auf beide Seiten gezogener Vorhang sichtbar. Dieses Zierflechtwerk kommt in ähnlicher Form noch auf zwei Madonnenreliefs vor: im Stirnbogen der thro­nenden Madonna im Palazzo Ducale von Urbino und auf den zwei Nebensäulen des Reliefs der thronenden Madonna in den Courtauld Institutes Galleries. Beide Werke werden einem als "Meister der Marmormadonnen" bekannten Künstler zugerechnet. Ebenso schreibt Jolán Balogh das Visegráder Madonnen­relief diesem Meister zu. Die in Urbino, im Palazzo Ducolino befindlichen Reliefs werden Tommaso Fiamberti zugeschrieben. Einem dieser drei ist ein wei­teres im Bargello in Florenz besonders ähnlich, dessen Meister gleichfalls Fiam­berti ist. Diese zwei Kunstwerke stehen dem Visegráder Madonnenrelief hinsicht­lich der Gestaltungsweise sehr nahe: die Körperformen des Kindes, die Beklei­dung der Madonna, die Ausformung ihrer Hände und Finger sind ähnlich. Es ist vorstellbar, daß die Visegráder Madonna als krönende Lunette mit dem Tuba blasenden Putto über dem Tabernakel gestanden hat. Auf letzterem ist die Kör­perform des Puttos mit der Gestalt des Jesuskindes auf dem Lünettenrelief iden­tisch. Wahrscheinlich stammen beide von ein und derselben Meisterhand und gehörten zum selbem Werk. Wegen der ähnlichen Ausführung der Jesusgestalt und der den Springbrunnen krönenden Herkulesfigur hält Jolán Balogh auch die Brunnenfigur für ein Werk des Meisters der Marmormadonnen. Peter Melier hat 1946 in seiner Dissertation die Brunnenskulptur und das Madonnenrelief analysiert. Seiner Meinung nach können sie nicht von demselben Meister ge­schaffen worden sein. Er verglich den Brunnen mit den W 7 erken Giovanni Dal­matas, mit den auf den Brüstungsplatten der Cancellata der Sixtinischen Kapelle in Rom dargestellten Girlanden und Puttofiguren und zog Parallelen zwischen

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