Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - I. Zeitreise

Zeitreise 95 12 Die Französische Revolution 1 791 Februar 27, Paris Königin Marie-Antoinette informiert Kaiser Leopold II. über die Gefahren einer weiteren Ausbreitung der Revolution und die Notwendigkeit einer Intervention der europäischen Mächte Original, Papier, zwei Folien, ganz eigenhändig, nicht unterzeichnet, französisch Habsburgisch-Lothringische Hausarchive, Familienkorrespondenz A 26 Nach der sensationellen politischen Aussöhnung zwischen den Bourbonen und dem Hause Habsburg im Jahre 1756 sollte die 1 770 geschlossene Ehe des Dauphins Louis (später Ludwig XVL, König von Frankreich 1774-1792) mit Erzherzogin Maria Antonia, einer Tochter Maria Theresias, die Beziehungen zwischen den beiden Bündnispartnern noch enger knüpfen. Die österreichische Politik wollte zudem die enge dynastische Beziehung benützen, um den Hof von Versailles in ihrem Sinne zu steuern, was aber nicht gelang. Als Königin war Marie-Antoinette in der öffentlichen Meinung rasch hef­tig umstritten. Sie schien außenpolitisch Frankreichs Abstieg zur Hilfsmacht der Habsburger, innenpolitisch aber die Dekadenz und Verschwendungssucht des französi­schen Königtums zu verkörpern. Mit dem offenen Ausbruch der Revolution im Sommer 1789 konnte sich der Haß auf die Königin in aller Heftigkeit entladen. Unter Zwang mußte der Hof im Oktober 1789 von Versailles nach Paris übersiedeln und befand sich seitdem in einer Art ehrenvoller Haft. Etwa zur gleichen Zeit war die Habsburgermo­narchie ihrerseits in eine ernste innere und äußere Krise geraten, die erst im Sommer 1791 bewältigt werden konnte. Die Brüder der französischen Königin, Joseph II. und Leopold II., gingen daher auf die wiederholten Hilfsersuchen Marie-Antoinettes nicht ein und verhielten sich abwartend, ehe das revolutionäre Frankreich selbst im April 1 792 Österreich den Krieg erklärte. Im Sommer 1 792 stürzte das Königtum, 1793 wur­den Ludwig XVI. und Marie-Antoinette auf der Guillotine hingerichtet. Michael Hochedlinger

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