Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - I. Zeitreise

96 Zeitreise 13 Der Wiener Kongreß 1815 Juni 9, Wien Schlußakte des Wiener Kongresses Unterhändlerinstrument (österreichisches Exemplar), Papier, in Samteinband mit vergoldeten Beschlägen, mit eigenhändigen Unterschriften und Lacksiegeln der bevoll­mächtigten Vertreter, 220 Blatt, französisch Allgemeine Urkundenreihe 1815 VI 9 Der Wiener Kongreß regelte das politische System Europas nach den napoleonischen Kriegen und stellte ein neues Gleichgewicht zwischen den Mächten her, das dem Kontinent für mehr als drei Jahrzehnte eine Zeit relativer Ruhe schenk­te. Er führte eine große Zahl europäischer Monarchen und Staatsmänner in Wien zusammen, das damit vorübergehend zum Zentrum der europäischen Diplomatie wurde. Bestimmende Persönlichkeit des Kongresses war der spätere österrei­chische Staatskanzler Clemens Wenzel Lothar Fürst Metternich, dem es durch sein diplomatisches Geschick gelang, Öster­reich auf dem Kongreß und in Europa eine führende Position zu sichern. Von besonderer Bedeutung war dabei die Neuregelung der Verhältnisse in Mitteleuropa und in Italien, weil der Mitte Europas in Metternichs Konzeption die Rolle eines Bollwerks gegen Frankreich und Rußland zufiel. Die Gründung des Deutschen Bundes, in dem sich Österreich die Vorherrschaft sicherte, bedeutete daher einen grundlegenden Erfolg der Metternichschen Politik. Als Preußen in der polnischen Frage gegenüber Rußland zurückwich, sicherte Metternich sein Konzept durch die Wiedereinbeziehung Frankreichs in das Konzert der Großmächte ab und konnte gleichzeitig gegenü­ber den deutschen Mittelstaaten als Verteidiger ihrer Interessen auftreten und Preußen auf den zweiten Platz zurückdrän­gen. Daneben beschäftigte sich der Wiener Kongreß mit einer Reihe wichtiger internationaler Streitfragen von der Regelung der Schiffahrt bis zur Aufhebung des Sklavenhandels. Auch die internationale Garantie der Schweizer Neutralität, für die Österreich eine der Garantiemächte wurde, gehörte zu den vom Kongreß vorbereiteten fortwirkenden Ergebnissen. Insofern verdeckt das vielzitierte Bonmot des französischen Außenministers Talleyrand „Der Kongreß tanzt, aber er kommt nicht vom Fleck" (im geistvolleren Original: "Le congrés ne marche pas, il danse") die Problemlösungskapazität einer Diplomatenversammlung, die hinter der schönen Kulisse rauschender Feste durchaus erfolgreich arbeitete. Leopold Auer

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