Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - I. Zeitreise

Zeitreise 87 4 Die Verbrennung des Jan Hus 1415 1483, Augsburg Ulrich von Richental, Chronik des Konzils von Konstanz Inkunabel, Papier, Illustrationen, deutsch Bibliothek, Signatur Blau 575a Die Verbrennung des böhmischen Predigers Jan Hus auf dem Konzil zu Konstanz ist wohl eine der bekanntesten mittelalterlichen Bilddarstellungen. Das Bild entstammt der Chronik des Konstanzer Konzils verfaßt von Ulrich von Richental. Dieser, ein Konstanzer Bürger, erlebte das Konzil als Zeitzeuge mit, seine Chronik gilt mittlerweile als einer der Höhepunkte spätmittelalterlicher Stadtgeschichtsschreibung. Die Mischung aus der detaillierten Schilderung der Ereignisse, dem Bilderzyklus und einem umfassenden Wappenteil sorgte für eine weite Verbreitung der Chronik, die bereits im 15. Jahrhundert drei Auflagen erlebte. Hus, ein Führer der tschechischen kirchlichen und politischen Reformbestrebungen am Beginn des 15. Jahrhunderts, war in seiner Lehre stark von John Wyclif beeinflußt, des­sen Ideen seit der Vermählung der Schwester des böhmischen Königs Wenzel mit König Richard II. von England in Böhmen Verbreitung fanden. Nach heftigen Auseinanderset­zungen an der Prager Universität und mit dem Prager Erzbischof Sbynko von Hasenburg forderte Kaiser Sigismund Hus schließlich auf, sich dem allgemeinen Konzil zu stellen, das am 1. November 1414 in Konstanz seine Tätigkeit aufnehmen sollte. Hus erklärte sich dazu gegen freies Geleit bereit. In Konstanz wurde er allerdings rasch verhaftet und gefangen gesetzt. Am 6. Juli 1415 wurde er verbrannt, seine Asche, wie auf dem Bild zu sehen, in den Rhein gestreut. Sein Mitstreiter Hieronymus von Prag wurde am 30. Mai 1416 hingerichtet. Thomas just

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