Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Gebäude - Elisabeth Springer-Manfred Wehdorn: Der Baubestand

47 Skizzen für die Restaurierung der Köpfe im Staatskanzleigebäude, Otto Hofer, 1890 Elisabeth Springer / Manfred Wehdorn Der Baubestand Das „Äußere" Das Gebäude des Haus-, Hof- und Staatsarchivs bildet einen langgestreckten, im Grundriß annähernd trapezförmigen Baukörper mit einem breitgelagerten Mittelrisalit an der Hauptfront zum Minoritenplatz. Der Mittelrisalit dominiert mit seinen neun Fensterachsen und seinem aufwendigen Baudekor die Fassade sowohl durch seine Ausmaße als auch durch seine optische Präsenz. Für die Seitenrisalite verbleiben nur je zwei Fensterachsen zum Minoriten­platz und je drei zur Metastasiogasse bzw. zur heutigen Bruno-Kreisky-Gasse. Die beiden unteren Geschosse setzen sich durch ihre Nutung als Sockelgeschosse ab. Über dem Kordongesims erhebt sich das „Hauptge­schoß" mit seinen hohen halbrund abgeschlossenen Fenstern. Es wird mit dem darüberliegenden Geschoß durch eine große Pilasterordnung zusam­mengefaßt. Über dem Hauptgesims erhebt sich über den mittleren drei Achsen eine Attika mit Figurenschmuck. Die einzelnen Baukörper werden von drei ineinandergreifenden Mansardendächern mit unterschiedlichen Höhen abgeschlossen, deren Dachstühle aus Eisen bestehen. Die Steilfläche über dem Mittelrisalit war ursprünglich verglast, ebenso über dem Schmalflügel an der Metastasiogasse, beide sind heute überdeckt. Von innen bildet der Dachstuhl ein Tonnengewölbe. Die der ursprüngliche Verglasung des Mansardendaches entsprechenden Teile der Tonnen waren bzw. sind ebenfalls mit gebogenen, matten Solinglasplatten verglast. Die größte Länge des Gebäudes beträgt 65,70 Meter, die Höhe von der Kellersohle bis zum Dachfirst 34,88 m. Im Bereich des Mittelrisalits am Minoritenplatz ist der Baukörper 37,80 m lang und 15,50 m tief, der Risalitvorsprung beträgt 3,06 m. Die Gesamtwirkung des Gebäudes gleicht eher der eines barocken Palais als eines Archivbaus an der Wende zum 20. Jahrhundert. Erst auf den zwei­ten Blick fallen leichte Unstimmigkeiten auf, so verfügt der so auffällige Mittelrisalit über kein Portal. Die Fensterachsen werden gleich behandelt. Nur in der Attika erfolgt eine Zentrierung auf die mittleren drei Achsen. Besonders auffällig werden die Unstimmigkeiten - natürlicherweise - im Inneren: Die großen Fenster des Mittelrisalits suggerieren nach außen den zweigeschoßigen Festsaal eines barocken Palais. Tatsächlich verlaufen die Fußböden zweier Geschoße jedoch quer durch diese Fenster. Ansonsten dienten die wesentlichen Baulinien und die Fassadengestal­tung der „Geheimen Hof- und Staatskanzlei" als unmittelbares Vorbild: Nicht nur Geschoßaufteilung, Putznutung, Kordon- und Hauptgesimse wurden übernommen, man bildete auch die meisten Details, wie die Masken in den Verdachungsgesimsen des zweiten Stocks, den alten Vorlagen entsprechend nach. Bei der Errichtung des Archivs ließ man an das „Ministerialgebäude", wie die „Geheime Hof- und Staatskanzlei" damals genannt wurde, einen Hintertrakt anbauen. Damals entstand auch der große geschwungene Balkon in der neuen Hauptachse des östlichen Ballhausplatztraktes. Dieser Trakt wurde um sieben, derjenige zur Metastasiogasse sogar um elf Fensterachsen erweitert, wobei aber nur jeweils drei dem Archivgebäude zuzuordnen sind.

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