Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - III. Haus - Hof - Staat

Staat 153 15 Erster Weltkrieg und Untergang der Monarchie 1914 Juli 28, Bad Ischl Kaiserliches Manifest „An meine Völker" Friedens bildet. So mussich denn daran schreiten,mit waffenge - wait die unerlässlichen Bürgschaften zu schaffen, lie Meinen Staaten die Ruhe im Innern und den lauernden Frieden nach aussen sichern sollen. In dieser ernsten Stunde hin Ich Mir der gan­zen Tragweite Meines Entschlusses und Meiner Ver- intwortung vor dem Allmächtigen voll bewusst. Ich habe alles geprüft und erwogen. Mit ruhigem Gewissen betrete Ich den Weg , den tie Pflicht Mir weist. Ich vertraue auf Meine Völker,die sich in al­len Stürmen stets in Einigkeit und Treue um Mei­len Thron geschart haben und für die Ehre,Grösse ind Macht des Vaterlandes zu schwersten Opfern Immer bereit waren. Ich vertraue auf Österreich - Ungarns tapfere i;nd von hingebungsvoller Begeisterung erfüllte Wehrmacht,und Ich vertraue auf den Allmächtigen, dass Er Unseren Waffen den Sieg verleihen werde. I SNfr W •W1 Vö — 9/9 uc An Meine Völker ! Es war Mein sehnlichster wünsch,die Jahre die Mir durch Gottes Gnaden noch beschieden sind,werken des Friedens zu weihen und Meine Völker vor den schweren Opfern und Lasten des Krieges zu bewahren. Im Rate der Vorsehung ward es anders be schlossen. Die Umtriebe eines hasserfüllten Gegners zwingen Mich, zur 7/ahrung der Ehre Meiner Mo­narchie , zum Schutze ihres Ansehens und ih­rer Machtstellung, zur Sicherung ihres Besitz- Standes nach langen Jahren des Friedens zum Schwerte zu greifen. Mit rasch vergessendemündank hat das Kö = nlgrelch Serbien ,das von den ersten Anfän­gen seiner staatlichen Selbständigkeit bis in die neueste Zeit von Meinen Vorfahren und Mir gestutzt und gefördert worden war,schon vor Jahren den Weg offener Feindseligkeit ge­gen Österreich-Ungarn betreten. Als Ich nach drei Jahrzehnten segensvol­ler Friedensarbeit in Bosnien und der Herze­gowina Meine Herrscherrechte auf dieseLänder erstreckte,hat diese Meine Verfügung im Kö­nigreiche Serbien,dessen Rechte in keiner Weise verletzt wurden,Ausbruche zügelloser Leidenschaft und erbittertsten Hasses her Papier, Konzept (Schreibmaschine), mit eigenhändiger Paraphe Kaiser Franz Josephs I., zwei Blatt, deutsch Kabinettsarchiv, Kabinettskanzlei Kurrent- B i 11 ette, ad B 1 7c/1914 Mittels Plakaten in elf verschiedenen Sprachen proklamierte Kaiser Franz Joseph I. in allen Teilen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie mit seinem „An meine Völker!" adressierten Manifest vom 28. Juli 1914 die Aufnahme von Kampfhandlungen gegen das Königreich Serbien. Dessen unerträglichem Treiben und unaufhörlichen Herausforderungen - insbesondere war damit das Attentat von Sarajevo gemeint - müsse endgültig ein Ende gesetzt werden. Interessanterweise wurde der Text des Manifests schon zur gleichen Zeit wie die Begehrnote an Serbien, die das bekannte, bewußt harte Ultimatum enthielt, verfaßt, also noch bevor Serbien die uneingeschränkte Annahme der österreichisch-ungarischen Bedingungen tatsächlich verweigert hatte und infolgedessen der Abbruch der diploma­tischen Beziehungen und die Kriegserklärung seitens Österreich-Ungarns beschlossen wurden. Der Kriegsausbruch scheint von österreichischer Seite mit Gewißheit erwartet worden zu sein, der Weg dorthin wurde äußerst konsequent gegangen. Das Manifest bezog sich nur auf den Krieg gegen Serbien. Der nur einige Tage später eintretende Kriegszustand mit Rußland, Frankreich und Großbritannien, also die durch die diversen Bündnisfälle vollendete Auslösung des Weltkriegs, machte keine weiteren Erklärungen notwendig. Cerhard Gonsa

Next

/
Thumbnails
Contents