Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)
Bestände - III. Haus - Hof - Staat
144 Staat 6 Ungarn endgültig in habsburgischem Besitz 1 699 Februar 22 - März 2, Konstantinopel Sultan Mustafa II. ratifiziert den Frieden von Karlowitz Papier, Tugra in Goldtinte, osmanisch-türkisch Türkische Urkunden 1699I26 Der Eroberung Ungarns nach der erfolgreichen Abwehr der Türkenbelagerung Wiens geriet nach einigen Jahren ins Stocken; so ging etwa 1690 die nur zwei Jahre zuvor eroberte Festung Belgrad wieder verloren. Doch kurz nachdem Prinz Eugen von Savoyen den Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen übernommen hatte, mußten die Osmanen alle Hoffnungen auf die Wiedereroberung Ungarns endgültig aufgeben: Am 11. September 1697 wurde ihre Armee bei Zenta während der Überquerung des Flusses Theiß vernichtend geschlagen. Doch auch Kaiser Leopold war angesichts der unvermeidlichen Auseinandersetzung mit Frankreich um das spanische Erbe zum Frieden mit den Osmanen bereit. In der Nähe des Dorfes Karlowitz südlich der Donau begannen im November 1698 unter niederländischer und englischer Vermittlung in einem eigens dafür errichteten Konferenzhaus die Friedensverhandlungen, die wegen der winterlichen Verhältnisse von keiner Seite in die Länge gezogen wurden. Die osmanischen Unterhändler mußten freilich nicht nur mit der kaiserlichen Delegation, sondern parallel dazu auch mit polnischen, venezianischen und russischen Bevollmächtigten verhandeln. Am 26. Jänner 1699 wurde der Friedensvertrag für die Dauer von 25 Jahren abgeschlossen. Ungarn und Siebenbürgen, ausgenommen das Banat von Temesvár, gelangten endgültig in den Besitz der Habsburger. Ernst Petritsch