Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - III. Haus - Hof - Staat

122 Haus 8 Die Erziehung der kaiserlichen Kinder 1752, Wien Erziehungsinstruktion Franz Stephans für seine Kinder Franz Stephan von Lothringen (1708-1765) stand zeitlebens im Schatten seiner Gemahlin Maria Theresia. Überliefert und allgemein bekannt ist das Bild der Mutter und Herrscherin im Kreise ihrer 16 Kinder, vom Vater ist dagegen kaum die Rede. Dabei war auch Franz Stephan an seinen Kindern sehr interessiert und nahm an ihrer Erziehung regen Anteil. Er verfaßte selbst Erziehungsabhandlungen, von denen eine hier vorgestellt wird. Die „instruction pour mes enfants tant pour la vie spirituelle que temporelle" wurde vermutlich in den letzten Monaten des Jahres 1752 geschrieben und nach dem Tod des Kaisers in Abschrift an alle Kinder übersandt. Zu einem guten Teil behandelt die Instruktion die Frage eines gottgefälligen, auf die Erwerbung der ewigen Seligkeit aus­gerichteten religiösen Lebenswandels. Um dies zu erreichen, gibt Franz Stephan seinem Nachwuchs Anweisungen für das tägliche Leben, die vom täglichen Besuch der Messe bis zum richtigen Verhalten am Spieltisch reichen. Die religiösen Vorstellungen, die Franz Stephan hier seinen Kindern vermittelt, entsprechen nicht mehr dem österreichi­schen Barockkatholizismus, sondern wurzeln bereits sehr stark in der „katholischen Aufklärung". Interessant ist das Bild des heidnischen Philosophen Sokrates im Kreis sei­ner Schüler, der hier als Vorbild dargestellt wird. Gebundenes Büchlein, Papier, 58 Blatt, französisch Habsburgisch-Lothringische Hausarchive, Familienakten 54 Pia Mörtinger-Grohmann

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