Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - II. Der Stoff, aus dem Geschichte ist

110 Der Stoff, aus dem Geschichte ist 10 Gemmensiegel 844 September 15, Roding (Niederbayern) König Ludwig der Deutsche schenkt dem Priester Dominikus Besitzungen zu Leberbrunn am Zöbernbach Pergamenturkunde mit aufge­drücktem Siegel, latéin Allgemeine Urkundenreihe 844 IX 15 Diese Schenkungsurkunde steht beispielhaft für ein in feierlicher Form, mit allen in der Karolingerzeit üblichen Kanzleimerkmalen ausgestelltes Diplom. Das Monogramm links unten setzt sich aus allen Buchstaben des Königsnamens (HLUDOVICUS) zusam­men, lediglich den Querbalken zog der Aussteller der Urkunde, also Ludwig der Deutsche, mit eigener Hand. Dies und die Besiegelung verbürgten die Rechtskraft des Schriftstücks. Wegen der Wichtigkeit des Siegels wurde es auch stets vom König per­sönlich aufbewahrt; durch eine an der Oberseite angebrachte Öse konnte es leicht als Anhänger getragen werden. Wie alle bekannten Siegel der Karolingerzeit ist auch dieses ein Porträtsiegel: eine anti­ke Gemme mit dem Bildnis eines römischen Kaisers wurde durch einen Metallrahmen mit einer neuen Namensumschrift versehen. Bedingt durch die Gemmenform waren diese frühen Siegel oval; erst allmählich setzte sich die Rundform für Siegel durch. Elisabeth Springer

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