Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)
Bestände - II. Der Stoff, aus dem Geschichte ist
Der Stoff, aus dem Geschichte ist 111 11 Ungarische „Igelurkunde" 1505 Oktober 13, Rákos Beschluß von Rákos Pergamenturkunde mit 61 Siegeln, latéin Allgemeine Urkundenreihe 1505 X13 Nachdem Wladislaw II. Jagiello die Kämpfe um den ungarischen Thron nach dem Tod von Matthias Corvinus für sich entschieden hatte, versuchte er, seine Stellung im Lande, die durch den anhaltenden Widerstand der Magnaten und durch finanzielle Probleme gefährdet war, zu stärken. In diesem Sinne ist der Beschluß von Rákos, der durch den ungarischen Kleinadel und die Magnaten beschlossen wurde, als Zeichen der Schwäche des Herrschers zu verstehen. Der Vertrag sah vor, daß „ ...wir niemals einen Ausländer zu unserem König wählen, sondern ausschließlich einen Ungarn, der zu diesem Amt fähig und geeignet ist". Dieser Beschluß des Reichstages verstieß eindeutig gegen den Friedensvertrag von Sopran vom 7. November 1491, der die Erbansprüche der Habsburger auf Ungarn stärkte, und rief Maximilian I. auf den Plan, der sich um seine dynastischen Ansprüche auf Ungarn geprellt sah und einen Angriff plante. Dieses Vorhaben konnte Wladislaw II. allerdings durch den Vertrag von Preßburg (20. März 1506) abfangen, der in weiterer Folge den Weg zur berühmten Wiener Doppelhochzeit des Jahres 1515 ebnete. Was die äußeren Merkmale anlangt, ist der Beschluß durch die große Zahl der angehängten Siegel bemerkenswert. Thomas Just