Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - II. Der Stoff, aus dem Geschichte ist

108 Der Stoff, aus dem Geschichte ist 8 Jüdisches Leben im Osmanischen Reich Ca. 1533 Bericht jüdischer Auswanderer aus Obe rita lien Papier, jiddisch-hebräisch, ein Blatt Staatenabteilungen Türkei I (Turcica) 3 Um das Jahr 1 533 berichteten einige Juden aus Oberitalien, die sich kurz zuvor auf der Balkanhalbinsel angesiedelt hatten, den zuhause gebliebenen Verwandten von ihren ersten Eindrücken und vom Alltagsleben in ihrer neuen Heimat. Ihre in jiddischer Sprache und hebräischer Schrift verfaßten Briefe sind vermutlich aufgefangen („interci- piert") worden und auf diese Weise in das Haus-, Hof- und Staatsarchiv gelangt. Innerhalb des islamischen Hoheitsbereichs war Juden und Christen die Religionsausübung unter bestimmten Bedingungen gestattet. Die im Vergleich zum christlichen Abendland bemerkenswerte religiöse Toleranz der Osmanen hatte bekannt­lich bereits 1493 unzählige Juden veranlaßt, nach ihrer Vertreibung von der Iberischen Halbinsel dort Zuflucht zu suchen; und tatsächlich hatten die spanischen Juden am wirtschaftlichen Aufstieg des Osmanischen Reichs zu Beginn des 16. Jahrhunderts erheblichen Anteil. Jüdische Privatbriefe stellen in staatlichen Archiven ausgesprochene Raritäten dar; im Haus-, Hof- und Staatsarchiv existiert außerdem eine Sammlung von ca. 45 Briefen Prager Juden an Bekannte und Verwandte in Wien aus dem Jahr 1619, gleichfalls in jiddischer Sprache mit hebräischen Lettern abgefaßt. Ernst Petritsch

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