Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)
Bestände - II. Der Stoff, aus dem Geschichte ist
Der Stoff, aus dem Geschichte ist 107 7 Die Unterschrift des Tenno 1 869 Oktober 1 8,Tokyo Freundschafts-, Handelsund Schiffahrtsvertrag zwischen dem Kaiserreich Japan und Österreich-Ungarn (Unterhändlerinstrument) Papier mit aufgedrückten roten Lacksiegeln, japanisch Allgemeine Urkundenreihe 1869 X 18 Im Herbst 1868 schiffte sich die erste österreichisch-ungarische Gesandtschaft nach Japan auf den beiden k. u. k. Kriegsschiffen „Donau" und „Erzherzog Friedrich" ein. Ziel der Mission war es, einen Handelsvertrag abzuschließen. Konteradmiral Anton Freiherr von Petz, welcher für diese Reise auch zum Gesandten und bevollmächtigten Minister in außerordentlicher Mission ernannt worden war, kommandierte den Marineverband. Am 19. September 1869 erreichten die Schiffe den japanischen Hafen Nagasaki, am 2. Oktober ging die k. u. k. Delegation im Hafen von Yokohama an Land und reiste von dort weiter nach Tokyo. Am 8. Oktober begannen die Vertragsverhandlungen, am 10. Oktober wurde die österreichisch-ungarische Gesandschaft vom japanischen Kaiser in Audienz empfangen. Bei dieser wurde dem Tenno als Gastgeschenk eine Marmorstatue Kaiser Franz Josephs überreicht, seiner Frau ein Klavierflügel der Firma Bösendorfer. Der Vertrag selbst kam unter Mithilfe des britischen Gesandten rasch zum Abschluß: am 18. Oktober 1869 konnte der erste Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrag zwischen Japan und Österreich-Ungarn unterzeichnet werden. Dieses Vertragswerk wurde in drei Sprachen - japanisch, deutsch und englisch - ausgefertigt, wobei sowohl der japanische Verhandler wie auch Konteradmiral Petz jede Seite mit Siegel und Unterschrift beglaubigten. Eine Besonderheit stellt die dazugehörige Ratifikationsurkunde dar, denn es handelt sich dabei um den ersten vom Tenno eigenhändig Unterzeichneten Vertrag. Irmgard Pangerl