1100 Jahre österreichische und europäische Geschichte in Urkunden und Dokumenten des Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1949)
1100 Jahre österreichische und Europäische Geschichte - Transkriptionen und Erläuterungen
62 b. 1795 Oktober 13/24, St. Petersburg. Kaiser Franz II., Kaiserin Katharina II. von Rußland und König Friedrich Wilhelm II. von Preußen schließen einen Vertrag über den Vollzug der (dritten) Teilung Polens: danach erhält Österreich Krakau, Sendomir und alles nördlich von Galizien gelegene Land, das links der Weichsel durch die Pilica und rechts der Weichsel durch den Bug eingeschlossen wird; Rußland erhält das Gebiet bis zum Bug und Njemen, Schamaiten, Litauen und die restlichen Teile von Schwarzrußland, Podlesien und Wolhynien; Preußen erhält das Weichselland bis zur Mündung des Narew mit Warschau, Masowien, Bjelostok und Teile von Podlachien. Orig.-Pap., Buchform, 5 Blätter: (28 bx 40 h), Blatt 4' und 5r. — Faksimile stark verkleinert. Drucke: Neumann, Recueil des traités, 1, S. 539 n. 108b (preußisch-russische Ausfertigung). — Martens, Recueil des traité# par la Russie,2, S. 266 n. 48 (preußisch-russische Ausfertigung). Regest: Bittner, Verzeichnis, 2, S. 51 und 1384. Der Vertrag ist ausgefertigt in einem österreichisch-preußischen (Original in Wien) und in einem preußisch-russischen Instrument unter Teilnahme des österreichischen Bevollmächtigten. — Ratifikation des österreichisch-preußischen Instruments: Kaiser Franz II.,1795 November 16 (Orig. Haus-, Hof- und Staatsarchiv); König Friedrich Wilhelm II., 1795 November 12, Berlin (Orig. Haus-, Hof- und Staatsarchiv). — Verzicht des Königs Stanislaus August von Polen, 1795 November 14/25 und Zusatzbestimmungen 1796 Oktober 10/21. Article VII. Si en haine du present traité departage et / de ses resultatsl'iine destrois Hautes Parties / contractantes se trouvoit attaquée parquelque / Puissance que ce sóit les deux autres se joindront / á eile et l’assisteront de toutes leurs forces et de / tous leurs moyens, jusqu’ä la cessation entiére de / cette attaque. Article VITT. Le présent traité sera ratifié dans la / forme usitée par les deux Cours contractantes et / les ratifications seront échangées dans l’espace / de six semaines ou plutót si faire se peut. En foi de quoi nous les Plénipotentiaires / respectifs l’avons signé et y avons apposé le sceau / de nos armes. / vingtquatre Fait á St. Petersbourg le --------:------- Octobre Mille / sept cent quatre vingt quinze. L i vlZiv L. S. *) Louis Comte Cobenzl2). L.S.1) Frideric Bogislav Emanuel Comte de Tauentzien 2). [Nemeth] 63. 1779 Mai 6, Wien. Kaiserin Maria Theresia erteilt eigenhändig ihre Genehmigung (Placet) auf den Vortrag des Staatskanzlers Fürsten Kaunitz, betreffend den Abschluß des Friedens von Teschen. Orig.-Pap., 2 Blätter: (22 bx35 h), Blatt V. — Faksimile verkleinert. Druck (nur mit Entschließung Maria Theresias): Adolf Beer, Die Sendung Thuguts und der Friede zu Teschen (Historische Zeitschrift, 38, 1877, S. 476). — Alfred v. Arneth, Geschichte Maria Theresias, 10, 1879, S. 632. Als im J ahre 1777 das bayrische Kurfürstenhaus mit Maximilian III. Josef ausstarb und Karl Theodor von der pfälzischen Linie der Wittelsbacher folgte, bewog Kaiser Josef II. seine Mutter, die Kaiserin Maria Theresia, Erbansprüche auf Niederbayern und einen Teil der Oberpfalz zu erheben. Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz erkannte im Vertrag von 1778 Jänner 3, Wien (Bittner, Verzeichnis, 2, S. 22 n. 1230) diese Ansprüche an, doch König Friedrich II. von Preußen war dagegen. Verhandlungen zwischen Friedrich II. und Josef II. scheiterten und ein preußisches Heer rückte in Böhmen ein. Maria Theresia begann zur Erhaltung des Friedens Verhandlungen mit Friedrich II., der sodann am 7. März 1779 die Feindseligkeiten einstellte. Am 10. März 1779 begann der Friedenskongreß in Teschen; am 6. Mai 1779 genehmigte Maria Theresia die Vorschläge Kaunitzens und am 13. Mai 1779, dem Geburtstag der Kaiserin, wurde der Friede von Teschen abgeschlossen, in dem Österreich das Innviertel erwarb, hingegen allen weiteren Ansprüchen an Bayern und dem Vertrage vom 3. Jänner 1778 entsagte. (Der Friede von Teschen bei Bittner, Verzeichnis, 1, S. 23 n. 1234; vgl. auch A. Unzer, Der Friede von Teschen, Kiel 1903.) Ausser diesen sind noch zwey Ratifi/cations Urkunden zu expediren, in deren / einer die Annahme der Französischen Ga/rantie und in der andren die Annahme / der Ruß. Garantie allerhöchst beangneh/met wird. Da aber diese beyde Rati/ficationen nicht zugleich mit den übrigen / in Teschen, sondern unmittelbar unter den / betreffenden Höfen und zwar in einer sti/pulirten Zeitfrist von 3 Monaten ausge/wechselt werden, so behalte ich mir bevor, / solche zur allergnädigsten Unterschrift / allerunterthänigst nachzutragen. q Rote Lacksiegel an schwarz-gelber Schnur aufgedrückt. 2) Die Unterschriften sind eigenhändig. 76