1100 Jahre österreichische und europäische Geschichte in Urkunden und Dokumenten des Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1949)
1100 Jahre österreichische und Europäische Geschichte - Transkriptionen und Erläuterungen
Lieber Graf Buol, Beiliegend schicke ich Ihnen das Mémoire / Hübners wegen der Auszeichnungen in Toulon / und einen Vortrag des Erzbischofs von Wien über / die in Folge der Ratifikation des Concordates zu / ertheilenden Auszeichnungen. Ich bitte Sie, mir / über Letztere einen Vortrag zu erstatten, und / sollten Sie an etwas in den Anträgen des Erzbischofs / Anstand nehmen, so wollen Sie es früher mit / ihm besprechen, da er jetzt in genauer Kenntniß, / der Leute, Verhältniße und Wünsche in Rom ist. Die deutschen Bundesverhältniße erfordern / allerdings unsere besondere Aufmerksamkeit. / Ich glaube, daß es bald an der Zeit sein wird / die Revisionsfrage im conservativen monarchischen / Sinne in die Hand zu nehmen um die ultra / constitutionellen und liberalen Agitationen in den / deutschen Ländern nicht über Hand nehmen zu lassen. / Wenn dann die Regierungen in uns ihre / kräftigste Stütze finden, so fallen sie uns von / selbst zu. [ Mikoletzky J 86. 1866 März 30, Paris. Der den Krimkrieg abschließende Pariser Friede: Kaiser Franz Joseph I. von Österreich, Kaiser Napoleon III. der Franzosen, Königin Viktoria von Großbritannien, König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, Kaiser Alexander II. aller Reußen, König Viktor Emanuel II. von Sardinien und Kaiser Abdul Medschid der Ottomanen schließen einen Vertrag über den Frieden zwischen Frankreich, Großbritannien, Sardinien und der Türkei einer- und Rußland anderseits und über die Ordnung der orientalischen Angelegenheiten ; unter anderem wird bestimmt: Kars, Sebastopol und die übrigen besetzten Plätze werden geräumt; Rußland tritt ein Stück von Bessarabien ab, welches die Donauschifjahrt freimacht ; die durch diesen Teil Bessarabiens vergrößerten Fürstentümer Moldau und Walachei (die nunmehr die gemeinsame Bezeichnung Rumänien annahmen) sowie Serbien werden neben der Oberherrlichkeit (Suzeränität) des Sultans noch unter den Schutz der Vertragsmächte gestellt; über die Gleichberechtigung der Christen mit den Mohammedanern sollten sämtliche Großmächte wachen; die Donauschi fjahrt wird für frei und das Schwarze Meer für neutral erklärt. Orig.-Pap., Buchform, 20 Blätter: (22'5 bx34'5 h), Blatt 15'—16r. — Faksimile verkleinert. Drucke: Reichsgesetzblatt 1856, Nr. 62. — Martens, Nouveau Recueil 15, S. 70 ff. — Meyer-Zöpfl 1, S. 452. — Neumann 6, S. 274ff. — Corpus pacificationum S. 9. Regest: Bittner, Verzeichnis, 3, S. 72 n. 3076. Ratifikation durch: Kaiser Franz Joseph 1., 1856 April 15 Wien; Kaiser Napoleon III., 1856 April 19 Chateau des Tuileries; Königin Viktoria 1856 April 15 Buckingham palace; König Friedrich Wilhelm IV., 1856 April 19 Charlottenburg; Kaiser Alexander II., 1856 April 3/15 St. Petersburg; König Viktor Emanuel II., 1856 April 19 Turin; Kaiser Abdul Meschid, 1856 April 17 Konstantinopel (sämtliche Originale in Wien: Haus-, Hof- und Staatsarchiv). —- Protokoll über den Austausch der Ratifikationen 1856 April 27 Paris (Orig.: Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv). Rußland hatte unter Kaiser Nikolaus I. (1825—1855) durch die erfolgreichen Kriege gegen Persien und die Türkei und durch die Niederwerfung des polnischen und des ungarischen Auf Standes eine bedeutende Machtstellung in Europa gewonnen. Nun verlangte Nikolaus I. von der Türkei einen Vertrag, in dem beide Mächte sich die Aufrechterhaltung aller Rechte der Bekenner der griechischen Religion versprachen, so daß bei etwaiger Verletzung jener der Zar einschreiten dürfe — womit aber die Selbständigkeit der Türkei aufhörte. Die Türkei lehnte ab. Rußland besetzte die Moldau und die Walachei. Frankreich und England sandten Flotten und ein Landheer zur Unterstützung der Türkei. Österreich schloß sich zunächst behufs diplomatischer Vermittlung den Westmächten an; eine Konferenz in Wien verlief ergebnislos. Es kam schließlich zum Kriege, in dem Österreich sich zu bewaffneter Neutralität entschloß. Sardinien trat auf Seite der Westmächte in den Krieg ein. Während des Krieges starb am 2. März 1855 Kaiser Nikolaus I.; ihm folgte Alexander II. (1855—1881). Endlich kamen unter Österreichs Vermittlung die Präliminarien und am 30. März 1856 zu Paris der Friede zustande. Art. 33. La convention conclue, en ce jour, entre / Leurs Majestés l’Empereur des Franyais, la / Reine du Royaume Uni de la Grande Bretagne / et d’Irlande, d’une part, et Sa Majesté / l’Empereur de toutes les Russies, de l’autre / part,relativement aux lies d’Aland, est / et demeure annexée au présent traité / et aura mérne force et valeur que / si eile en faisait partié. Art. 34. Le présent traité sera ratifié et les / Ratifications en seront échangées a Paris / dans l’espace de quatre semaines / ou plus tot, si faire se peut. En fői de quoi les Plénipotentiaires / respectifs I ont signé et y ont apposé / le sceau de leurs armes. Fait ä Paris le trentiéme jour / du mois de Mars de l’an mil hűit cent / cinquante six. L. S. *) Buol Schauenstein * 2) L. S. Hübner L. S. A. C. Walewski L. S. Bourqueney L. S. Clarendon L. S. Cowley [Grill] x) Rote Lacksiegel an schwarz-gelben Schnüren aufgedrückt. 2) Die Unterschriften sind eigenhändig. 95