1100 Jahre österreichische und europäische Geschichte in Urkunden und Dokumenten des Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1949)
1100 Jahre österreichische und Europäische Geschichte - Transkriptionen und Erläuterungen
1806 August 6, Wien. Kaiser Franz II., erwählter römischer Kaiser, Erbkaiser von Österreich, König in Germanien etc., erklärt, daß es ihm nach seiner Überzeugung nach dem Abschlüsse des Preßburger Friedens (siehe Nr. 71) und nach der Gründung des Rheinbundes gänzlich unmöglich gemacht worden sei, die Pflichten seines kaiserlichen Amtes länger zu erfüllen und daß er es seinen Grundsätzen und seiner Würde schuldig sei, auf eine Krone zu verzichten, die nur solange in seinen Augen Wert haben könne, als er dem Zutrauen des Reiches zu entsprechen und den übernommenen Obliegenheiten Genüge zu leisten imstande sei; er erklärt demnach das Band für gelöst, das ihn bisher an den Staatskörper des Deutschen Reiches gebunden hat, er erklärt das reichsoberhauptliche Amt und die reichsoberhauptliche Würde als erloschen, betrachtet sich von allen übernommenen Pflichten gegen das Deutsche Reich entbunden und legt die Kaiserkrone und die kaiserliche Regierung nieder; er entbindet alle Kurfürsten, Fürsten und Stände sowie alle Reichsangehörigen und Reichsbeamten ihrer Pflichten gegen das gesetzliche Oberhaupt des Reiches, er löst seine sämtlichen deutschen Provinzen und Reichsländer von allen bisherigen Reichsverpflichtungen und erkennt diese nur noch in ihrer Vereinigung mit dem ganzen österreichischen Staatskörper als Kaiser von Österreich. Orig.-Pap., Buchform, 8 Blätter: (22-5 bx 38 h), Blatt 2' . — Einband: roter Samt. — Faksimile verkleinert. Drucke: Meyer-Zöpfi 1, S. 7Iff. — Zeumer S. 538 n. 217. Auf Grund von Unterhandlungen in Paris Unterzeichneten die Gesandten von 16 deutschen Fürsten am 12. Juli 1806 die Rheinbund s - Akte (Zeumer S. 532 n. 214); in derselben sagten sich diese vier Kurfürsten und zwölf Fürsten vom Reiche los, bildeten einen eigenen Bund souveräner Fürsten und stellten sich und ihr Gebiet unter das Protektorat des Kaisers der Franzosen. Neun Tage nach dem Abschluß der Rheinbunds-Akte stellte Napoleon in Paris dem kaiserlichen Geschäftsträger für Kaiser und Reich ein Ultimatum. Am 1. August 1806 erklärte Napoleon durch seinen Gesandten beim Regensburger Reichstag, daß er das Deutsche Reich und seine Verfassung nicht mehr anerkenne, wohl aber die unbeschränkte Souveränität der einzelnen deutschen Staaten (Zeumer S. 536 n. 215); am gleichen Tage gaben die Rheinbund-Staaten eine Erklärung über ihren Austritt aus dem Reiche ab (Druck mit Siegel: Wien, Haus-, Hof - und Staatsarchiv; Zeumer S. 537 n. 216) ; daraufhin ging der Reichstag auseinander. Nun legte Kaiser Franz II. die römische Kaiserkrone nieder. Vgl. Heinrich R. v. Srbik, Das Österreichische Kaisertum und das Ende des Heiligen Römischen Reiches 1804—1806, Berlin 1927, insbesondere S. 62 ff. Konstitution gebunden waren. Unsere sämmtlichen deutschen Provinzen / und Reichsländer zählen Wir dagegen wechsel/seitig von allen Verpflichtungen, die sie bis jetzt / unter was immer für einem Titel gegen das / Deutsche Reich getragen haben, los, und Wir / werden selbige in Ihrer Vereinigung mit dem / ganzen Österreichischen Staats- Körper als / Kaiser von Österreich unter den wiederherge/stellten und bestehenden friedlichen Verhält/nissen mit allen Mächten und benachbarten / Staaten zu jener Stufe des Glücks und Wohl/standes zu bringen beflissen seyn, welche das / Ziel aller Unserer Wünsche, der Zweck Unse/rer angelegensten Sorgfalt stäts seyn wird. / Gegeben in Unserer Haupt- und Residenzstadt / Wien, unter Unserem Kaiserlichen Insiegel, / am 6lcu August des Jahres 1806. Unse/rer Reiche, des Römischen und der Erblichen im fünfzehnten Jahre. Franz m(anu propr)ia 1). J(ohann) Ph(ilipp) G(raf) von Stadion. Ad mandatum sacrae Caesareae ac Caesareae regiae / apostolicae majestatis proprium. / Hofrath von Hudelist. / i. a. [WoinovichJ Lacksiegel Kaiser Franz II. in vergoldeter Metallkapsel an Goldschnur. 73. 1809 Oktober 14, Wien-Schönbrunn. Kaiser Franz I. von Österreich und Kaiser Napoleon I. von Frankreich schließen Frieden (mit sechs geheimen Separatartikeln): darnach tritt Österreich Salzburg, Berchtesgaden, das Innviertel und das westliche Hausruckviertel an Bayern, einen Teil Kärntens, Krain, Triest, Görz, das österreichische Istrien, das ungarische Littorale und Kroatien auf dem rechten Saveufer mit Fiume an Frankreich und Westgalizien und einen Teil Ostgaliziens an Rußland ab und erkennt die Kontinentalsperre, alle gegenwärtigen und zukünftigen Veräinderungen in Spanien, Portugal und Italien, die Aufhebung des Deutschen Ordens usw. an; das Generalgouvernement Neu-Illyrien wird gebildet. Orig.-Pap., 2 Blätter: (20-5 bx 32 h), Blatt 2V. — Faksimile verkleinert. Drucke: Martens, Nouveau Recueil 1, S. 210. — Neumann, Recueil 2, S. 309. — Meyer-Zöpfi, Corpus 1, S. 113. — Corpus pacificationum S. 8. Regest: Bittner, Verzeichnis 2, S. 78 n. 1524. Ratifikation des Hauptvertrages und der Separatartikel: durch Kaiser Franz I. 1809 Oktober 17 (offizieller Druck); durch Kaiser Napoleon 1S09 Oktober 15, Wien (Orig.: Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv). — Protokoll über den Austausch der Ratifikationen 1809 Oktober 20, Wien (Orig.: Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv). Schon seit 1807 löste sich Rußland von der Koalition gegen Frankreich und schloß sich Napoleon an. 1809 begann Österreich den Krieg gegen Napoleon; der zunächst siegreichen Erhebung Tirols und den Schlachten bei, Aspern und Eßling v) Die Unterschriften sind eigenhändig.