Emerich Bielik: Geschichte der K. u. K. Militär-Seelsorge und des Apostolischen Feld-Vicariates (Wien, 1901)

I. Theil. Die militär-geistliche Hierarchie und die Militär-Seelsorge vor der Errichtung des Apostolischen Feld-Vicariates - 3. Capitel. Die Militär-Seelsorge

56 Kolbmann in Akademien verlegt wissen, von deren Errichtung er spricht, und an welche man daher ernstlich gedacht zu haben scheint. Wegen Mangel an Geldmitteln kam aber keines der Projecte zur Ausführung1). Erst im Jahre 1717 wurde die jetzige technische Militär- Akademie als >Ingenieur-Schule« und Dependenz der Frei­herrlich Chaos’schen Stiftung zur Heranbildung von Officieren für das Ingenieur-Corps errichtet2), 1755 von der Chaos’schen Stiftung abgetrennt und 1756 zur Ingenieur - Akademie erhoben. Die Seelsorge der Ingenieur-Schule leitete ein Hauskaplan, welcher auch den Religionsunterricht zu ertlieilen hatte. Der erste in dieser Stellung war Leopold Pillér. Im Jahre 1751 erfolgte zur Heranbildung von Officieren für die Infanterie, Jäger und Cavallerie die Errichtung des »adeligen Cadetten-Corps« und des Cadettenhauses durch die Kaiserin Maria Theresia in Wiener-Neustadt, und im Jahre 1752 die Gründung der Militär-Pilanzschule zu Wien als Vorbereitungsschule für das Cadettenhaus. Das Cadetten- Corps bestand aus zwei Compagnien von je 100 Kindern adeliger Oberofficiere. Die Pflanzschule war nur für mittel­‘) Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen I S. 369. 2) Johann Konrad Freiherr Blchthausen von Chaos, ein hoch- berühmter Alchimist, war als Sohn eines »Materialisten« am 27. No­vember 1601 in Wien geboren und noch in jungen Jahren Lehrer beim Erzherzog Ferdinand, dem frühzeitig verstorbenen Sohne des Kaisers Ferdinand III. Im Jahre 1618 wurde er Münzmeister in Wien und erwarb am 22. Jänner 1651 die Würde eines Obersten Erbltnd- Münzmeisters, nachdem er kurz vorher in den Freiherrnstand mit dem Prädicate »von Chaos« erhoben worden war. Er starb kinderlos am 25. Juli 1663 als Oberkammergraf der ungarischen Bergstädte zu Schemnitz und widmete einen großen Theil seines namhaften Ver­mögens Erziehungszwecken.

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