Emerich Bielik: Geschichte der K. u. K. Militär-Seelsorge und des Apostolischen Feld-Vicariates (Wien, 1901)

I. Theil. Die militär-geistliche Hierarchie und die Militär-Seelsorge vor der Errichtung des Apostolischen Feld-Vicariates - 3. Capitel. Die Militär-Seelsorge

55 Auch die im 18. Jahrhunderte errichteten Militär- Bildungs-Anstalten hatten ihre eigenen Seelsorger. Vorher bestanden überhaupt keine Erziehungsinstitute und die Bildung des kaiserlichen Heeres stand in dieser Zeit auf einer niederen Stufe. Die Ermahnungen Montecuccolis blieben ungehört, und erst als in Frankreich, in Sachsen und Preussen Militär-Schulen in das Leben traten, wurden auch im kaiserlichen Heere Stimmen für die Errichtung solcher Anstalten laut. Unter diesen Projecten war der vom kaiserlichen Hauptmann Ulrich Kolbmann im Jahre 1699 zu Klagenfurt erschienene »Entwurf eines Gimnasii militaris, oder un- vorgreifliches Dafürhalten wie ein hoher Potentat und Kriegsfürst, sowohl in Fried- als Kriegszeiten, mit schlecht und geringen Unkosten, etlich tausend junge wohl exercierte Mannschaft erhalten und aufbringen kann«, sehr charakteri­stisch für die damaligen Zeiten. Nach diesem Entwürfe sollten die Bildungsanstalten einerseits eine Corrections- anstalt zur Reinigung der vagabundierenden Elemente, anderseits eine Vorbereitungsschule für den Officiers- nachwuchs sein, die 1000 Zöglinge ein Gymnasium oder Collegium militare bilden und unter einem Hauptmanne und zwei Lieutenants stehen, wovon einer ein tüchtiger »Trillmeister« zu sein hätte. Auf 40 Zöglinge käme ein der Jugend gewogener Corporal. Die Administration dieser Anstalt sollte durch einen Musterschreiber, die inneren Wirtschaftsgeschäfte durch alte Soldatenweiber besorgt werden. Ferner sollte noch ein Kaplan »etwas lustigen Humors«, ein Feldscherer, einige Tambours und Pfeifer und ein Schuldiener das Personal ergänzen. Der Lehrplan Kolbmanns sah zwar praktische Übungen vor, aber keinen theoretischen Unterricht. Diesen wollte

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