Emerich Bielik: Geschichte der K. u. K. Militär-Seelsorge und des Apostolischen Feld-Vicariates (Wien, 1901)
II. Theil. Die militär-geistliche Hierarchie und die Militär-Seelsorge nach der Errichtung des Apostolischen Feld-Vicariates - 3. Capitel. Die Militär-Seelsorge
143 Solche Pflichten erheischen eine vollkommene theologische Ausbildung, eine reiche Erfahrung, moralische Stäi’ke, einen Eifer und Geduld, -wie kaum ein anderer Beruf! Einen solchen Militär-Clerus zu besitzen, war der sehnlichste Wunsch des Bischofes Kerens. Yor der Aufhebung des Jesuiten-Ordens wurden die erforderlichen Feldkapläne größtentheils diesem Orden entnommen. Nach der Auflösung des Jesuiten-Ordens musste in anderer Weise für die Heranbildung der Feldkapläne gesorgt werden. Gleich mit der Errichtung des Apostolischen Feld- Yicariates wurde angeordnet, dass in einigen Diöcesan- Priesterhäusern junge Geistliche zu Feldkaplänen erzogen und ausgebildet werden sollten. Laut Decret der böhmischösterreichischen Hofkanzlei vom 4. December 1773 befahl Kaiserin Maria Theresia, dass bei Errichtung der Priesterhäuser zu Wien, Prag und Olmiilz je zehn Plätze für junge Priester, die zu Feldkaplänen zu erziehen wären, und je sechs Plätze in jedem Priesterhause für alte, dienstuntaugliche Feldkapläne freigelassen werden sollten; doch wurde diese Allerh. Anordnung nie durchgeführt. Bischof Kerens stellte nun in seinem allerunterthänigsten Vortrage von 1774 die Bitte um Errichtung eigener »Militär- Pflanzschulen« in jeder Provinz, in welchen junge Geistliche für die Armee erzogen werden Sollten. Dieser Bitte wurde jedoch nicht entsprochen. Die »Clementissimae resolutiones caesareae« vom 25. August 1775 ordneten vielmehr an, dass künftig nur Ordensgeistliche zu Feldkaplänen ernannt werden und die geistlichen Orden verbunden sein sollten, zu den Regimentern jederzeit geeignete Geistliche zu stellen. Die Erfahrung hat bewiesen, dass dadurch weder die erforderliche Anzahl noch die entsprechende Qualität der Feldkapläne erzielt werden konnte.