Manfred Fink (Hrsg.): Das Archiv der Republik und seine Bestände. Teil 1 : Das Schriftgut der 1. Republik und aus der Zeit von 1938 bis 1945 (1996)
Vorwort
Vorwort Die Welt um uns hemm ist in den 90er Jahren eine andere geworden. Neue Entwicklungen auf dem Gebiet des Informations- und Kommunikationswesens berühren unser gesamtes Leben. Die Elektronik und die Automation verändern unaufhaltsam unsere Lebensgewohnheiten. Unser Freizeitverhalten ist davon in gleichem Maß betroffen wie unser Arbeitsplatz. Es ist die Zeit der Informationsgesellschaft angebrochen. Neue Berufe, die ausschließlich mit Informationen zu tun haben, wie der Informationsmanager oder der Informationsmakler, prägen die veränderte Gesellschaft. Daß die Archive innerhalb dieserneuen Informationsgesellschaft eine hervorragende Position einnehmen können, liegt in ihrem eigentlichen Wesen und ihren Aufgabenstellungen. Denn was machen Archive anderes, als "Informationen" in Form von Akten zu sichern und zu erschließen, damit diese der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen? In der modernen Literatur werden Archive deshalb als typische oder "primäre" Unternehmen der neuen Informationsgesellschaft bezeichnet. Die technologischen Entwicklungen werden die Archive in den nächsten Jahrzehnten weiter dramatisch verändern, dies bedarf keiner hellseherischen Fähigkeiten. Neue Daten- und Informationsträger werden den "Papierakt" bald verdrängt haben und den "zeitgenössischen" Archiven, ob sie dies wollen oder nicht, vollkommen neue Arbeitstechniken bescheren. Die Innovationsbereitschaft der Archive wird im 3. Jahrtausend letztlich zu ihrer zentralen Überlebensfrage werden. "Tradition pflegen und Innovation fördern!" Dieser Grundsatz der im Archiv der Republik gelebten Untemehmensphilosophie ist die einfache Formel für die Zukunft. Er prägt das Selbstverständnis, die Eigenständigkeit und Lebendigkeit unseres Archivs. Er prägt aber auch die Qualität der im Archiv erbrachten Leistungen. Denn was braucht ein Unternehmen, das erfolgreich sein möchte, mehr, als eine Fülle zündender Ideen und die Mitarbeiterinnen, die diese auch in die Praxis umsetzen können. Hervorragende Leistungen sind nicht zwingend das logische Produkt des finanziellen Einsatzes. Sie sind auch nicht das logische Ergebnis von Rationalisierungen oder sonstigen strukturellen oder organisatorischen Maßnahmen. Besondere Leistungen hängen immer nur von den Menschen, von ihrer Einsatzbereitschaft, von ihrer Begeisterung und ihrem Willen, etwas Besonderes zu gestalten, ab. Zum Verständnis und zur Anerkennung der Archive in der Öffentlichkeit können nur die Mitarbeiterinnen eines Archivs selber beitragen. N atürlich ergibt sich die Bedeutung eines Archivs primär aus dem historischen oder gesellschaftlichen Informationsgehalt der verwahrten Archivgutbestände. Trotzdem ist die Motivation der Mitarbeiterinnen entscheidend, welche Leistungen im Zuge der Aufbereitung und - warum soll man nicht sagen - "Vermarktung" der Informationsgüter hervorgebracht werden. v