Manfred Fink (Hrsg.): Das Archiv der Republik und seine Bestände. Teil 1 : Das Schriftgut der 1. Republik und aus der Zeit von 1938 bis 1945 (1996)
Gruppe 04: Inneres/Justiz (Rudolf Jerabek’, Heinz Placz) - Gaupersonalamt des Gaues Wien "Gauakten"*
Bestandsgruppee 04 Archiv der Republik 04R009/1 Gaupersonalamt des Gaues Wien ("Gauakten") 1938 - 1945 4.320 Faszikel, 1.000 Kartons, 25 lfm Karteien Provenienz(en): Gaupersonalamt des Gaues Wien 1938 - 1945 Bestandsschwerpunkt(e): Flüchtlingshilfswerk - Österreichische Legion - Parteianwärter - Parteimitglieder - Personalakten der Parteifunktionäre - politische Beurteilung Rechtsgrundlagen: Schon im Organisationshandbuch der NSDAP 2. Aufl. aus dem Jahr 1937 (S. 140 -141, 173-175) erscheint das Gaupersonalamt als wesentlicher Bestandteil jeder Gauleitung. Dementsprechend wurde nach dem Anschluß auch in der Wiener Gauleitung eine derartige Abteilung eingerichtet. Bestandsbeschreibung: Die Einzelfallsakten des Gaupersonalamtes Wien bildeten lediglich den Grundstock dieses Aktenbestandes, der durch vielfältigste Anreicherung teilweise den Charakter einer Dokumentation gewann. Soweit die betreffenden Unterlagen der NSDAP in die Hände gefallen waren, wurde wohl schon ab März 1938 auf die Personalakten der Funktionäre ("Amtswalter") und politischen Beurteilungen der Bundesleitung der Vaterländischen Front aufgebaut, sodaß zahlreiche Akten weit in die 30er Jahre zurückreichen. Den gleichen Zeitraum betreffen die im Deutschen Reich entstandenen und nach dem Anschluß vielleicht sogar lückenlos in die Gauakten eingearbeiteten Unterlagen über Österreichische Legionäre und über geldliche Unterstützungen für ins Reich geflüchtete österreichische Nationalsozialisten (Flüchtlingshilfswerk). Ebenso wurden Akten des NS-Studentenbundes und Stammblätter gefallener und vermißter SS-Angehöriger (vermutlich dem SS-Ergänzungsamt Süd-Ost entstammend) in die Gauakten eingearbeitet. Da einerseits die politische und strafrechtliche Vergangenheit der betroffenen Personen durchleuchtet und andererseits aktuelle gerichtsanhängige Fälle in die Akten aufgenommen wurden, enthalten die Akten oft nicht nur bis 1900zurückreichende Urteilsausfertigungen, sondern auch Anklageschriften und Urteilsausfertigungen von Straf- und Parteigerichten 1938 bis 1945 sowie von Volksgerichtsurteilen der Nachkriegszeit. Auch Zeitungsausschnitte wurden den Akten beigelegt oder auch von den zu Beurteilenden oder sonstigen Einbringem eines Ansuchens als Beweismittel vorgelegt. Die Eingeber übermittelten häufig auch Abschriften und Originale von persönlichen Dokumenten (kirchliche, standesamtliche und militärische Personaldokumente, Gesundheitszeugnisse, Dekrete und Diplome), Ausweise, Schilderungen der eigenen 170