Philatelia, 1924 (10. évfolyam, 1-10. szám)
1924-04-01 / 3-4. szám
/ PHILATELIA ^ die verbreitest© un^ duf höchsten Niveau stehende Fachschrift in der ungarischen Sprache. Sämtliche Annoncen erscheinen in der ungarischen sowie deutschen Sprache. Der Erfolg kann nicht ausbleiben. V2 Seite schwel*. Fr. 20*—, *'4 Seite Schweiz. Fr. KV—, üs Seite Schw eiz. Fr. 5’—. Alle Zuschriften sind zu richten an: Redakteur Johann Örvös, Wien, VII. Bezirk, Kaiserstraßc Nr. 79, I./8. — Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet. — Deutsche Beilage. Westungarn — Lajtabánság — Burgenland von Fr. H. LEHNERT, Budapest Meinen Ausführungen muß ich vorausschieken, daß die geschichtliche Tatsache der Besetzung Westungarns durch ungarische Freischärler derart bekannt ist, daß darüber wohl keinerlei Beweisführung erforderlich ist. Die Friedensverträge hatten einen Landstreifen, der im Westen Ungarns an Österreich grenzt, letzterem zugesprochen. Die Übergabe dieses Gebietes an Österreich ging jedoch nicht glatt vor sich ; sogenannte ungarische Freischaren besetzten Westungarn und verhinderten mit Waffengewalt die Besitznahme duich Österreich. Es gab mehrmals regelrechte Feuergefechte mit Toten und Verwundeten auf beiden Seiten. Dieser Zustand dauerte fast drei Monate und endete erst, al6 weitere Internationale Vereinbarungen Ungarn zwangen, seine Freischaren zurückzurufen und zu entwaffnen. Inzwischen war, auf die Initiative der Freischaren zurückzuführen, die Bevölkerung von Westungarn dazu geschritten, aus dem Gebiete nach berühmten Mustern anderer Kleinstaaten, einen eigenen Staat zu bilden, dessen feierliche Proklamierung am 4. Oktober 1921 zu Felsőőr (Oberwarth) erfolgte. Der neue Staat bekam den Namen „Lajtabánság“ und er sollte einen Banus als Oberhaupt, der durch eme Volksbefragung gewählt worden wäre, erhalten. Bereits bei Gründung dieses Freistaates lag eine Verfassung für selben vor, nach der alle Staatsgeschäfte geregelt wurden. Auch für das Verkehrswesen der Postbetrieb eingeschlossen — waren Verwaltungsstellen vorgesehen. Dieser kurze Rückblick auf die geschichtlich feststehenden Tatsachen soll genügen, obzwar ich in der Lage wäre, noch manch wertvolle Details berichten zu können, da es der Zufall wollte, daß ich die ganze Aufstandsbewegung als abseitsstehender Beobachter mit durchleben konnte. Als langjähriger Sammler von Briefmarken, haben mich logischer Weise in erster Linie alle philatelistischen Ereignisse in dieser Zeit am meisten interessiert und ich glaube annehmen zu dürfen, daß meine vom Erscheinen der ersten aufständischen Marke eitrigst betriebenen Forschungen fast lückenlos sind. Viele ernste Sammler, die das Zusammentragen der Briefmarken auf wissenschaftlicher Grundlage betreiben, behaupten, daß Westungarn weitaus das interessanteste Nachkriegssammelgebiet sei und daß es gar keine Frage über die Berechtigung der Marken dieses Staates geben kann. Allerdings gibt es andererseits eine Reihe Sammler, die behaupten, die Marken Westungars seien spekulative Erzeugnisse, denen jeder Sammelwert abgeht. Diese Sammler lassen sich ihre Anschauung aber meist aus politi-