Philatelia, 1924 (10. évfolyam, 1-10. szám)

1924-04-01 / 3-4. szám

8. oldal PHILATELIA 3'4. szám sehen Gründen diktieren und da Politik keinen Bestandteil des Briefmarkenwesens bilden kann und darf, sind diese Ansichten wirklich belanglos. Es soll nun versucht werden, rein sachlich jene Vorgänge und Tatsachen zu schildern, die irgend in einer Beziehung zu den Brief­marken von Westungarn, dem Lajtabanat, stehen. Etwa Mitte August 1921 wurde Westungarn geräumt. Darunter ist zu verstehen, daß auf ent­sprechende Weisungen höheren Ortes hin alles, was staatliches Eigentum bildete, weggeschafft wurde. Was nicht unbedingtes Inventar war, wanderte zurück nach Ungarn. Es ist einleuchtend, daß Bargelder und Geldwerte davon in erster Linie betroffen wurden. Zu diesen Geldwerten zählten die Briefma-ken bei den Postanstalten, denen nur für ganz wenige Tage Briefmarken be­lassen wurden. Alles war so auf die Übergabe des Gebietes an Österreich vorbereitet, als plötz­lich an Stelle der Österreicher die Banden der Freischärler, fast nur in Zivil, aber gut bewaffnet, auftauchten. Erst kleine, ja sogar sehr kleine Gruppen, später größere Organisationen. Diese Freischärler besetzten die Grenze und verhinderten den vertraglich für jene Zeit festgelegt gewesenen Einmarsch der Österreicher. Wo diese doch versuchten über die Grenze zu kommen, wurden sie von Gewehrfeuer empfangen. Dies war Ende August 1921. Der plötzliche Zustrom so vieler ortsfremder Personen nach einem sonst wirklich schreibfaulem Ge­biete hatte mit zur Folge, daß überaus viele Briefe und Post­karten nach dem Mutterlande, woher diese Personen gekommen waren, abgingen. Wollte man doch über die „Kriegs“-Ereig­nisse und über die „Taten“ den Zuhausgebliebenen berichten. Viel eher als gedacht waren da­her die wenigen Briefmarken der Postanstalten vergriffen und neue Wertzeichen wurden von den zu­ständigen Beteilungsstellen in Ungarn nicht nachgeliefert. Die Freischärler wurden die Machthaber des Gebietes und als solche wiederum konnten sie das unternehmen, was sie wollten. Sie waren niemandem Rechenschaft schuldig, am wenigsten Ungarn, das ja vom Anfang an feierlichst erklärt hatte, mit der spontanen Bewegung in Westungarn nicht das Geringste gemein zu haben! Als die Kommandostellen der Freischärler das Ausgehen der Briefmarken merkten, bezw. ge­meldet bekamen, daß der Marken­vorrat knapp werde, wurde vom Kommandanten der aufständi­schen Truppen folgende Ver­ordnung erlassen: Regierungsrat der Lajtabánság 1921 Zahl Gii. 3/921 Verordnung. Nachdem die Truppen der königl. ung. Regierung die Zone „A“ bereits geräumt haben, und die Regierung der Österreichi­schen Republik dieselbe noch nicht übernommen hat, haben die Aufständischen sie während dieses Interregnums in Besitz genommen und halten sie auch heute in ihrem Besitz. Ich verordne so­nach, daß sämtliche in den Post­ämtern noch vorhandenen königl. ung. Postmarken mit dem Texte „Durch aufständische Ungarn be­setztes Westungarn Alig —Sept. 1921“ überdruckt werden. Mit der Durchführung betraue ich den Hauptmann Julius Bieringer und erteile ihm den Auftrag, über die Markenvorräte bei den Post-

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