Erdő Péter - Rózsa Huba: Eschatologie und Jahrtausendwende 2. Deutsch-Ungarischer Theologentag Budapest, 3. März 2000 - Studia Theologica Budapestinensia 26. (2000)

Pál Bolberitz: Thanatologie und Eschatalogie

Karl Barth - als ein Repräsentant der dialektischen Gegenwirkung dieser Bestrebungen - musste kommen, um den völlig übernatürli­chen Inhalt der Eschatologie zu betonen und dadurch den Vorgang der Entescathologisierung zu verhindern.6 Zweifellos trug zu der „Entmythologisierung" der Eschatologie - besonders in der deut­schen protestantischen Theologie - jene philosophische Einstellung bei, die auf den Spuren Hegels die Geschichte als „Geschichte" der Entfaltung des Geistes und seiner Entwicklung deutete, und während sie die transzendente, übernatürliche Auslegung der Geschichte (als Heilsgeschichte) in den Hintergrund rückte, zog die immanente Ge­schichte und die immanente, lineare Zeitanschauung der kosmologi­schen Eschatologie vor. So trat „der Fortschritt" (als Richtung der Entwicklung) und die Vorstellung der innerweltlichen, absoluten Zu­kunft an der Stelle der Eschatologie (vgl. Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung), was zur Entfaltung einer politico-ideologischen (vgl. Die Zukunftssicht des Marxismus), beziehungsweise bei Habermas einer soziologischen Zukunft-Praxis führte.7 Diese Wirkungen blieben na­türlich weder in dem protestantischen noch in dem katholischen Denken über die Eschatologie ohne Folgen. In seiner Hoffnungstheo­logie versucht Jürgen Moltmann aus der existentialistischen, tran- szententalen Eschatologie von Bultmann zu den biblischen Wurzeln zurückzukehren, und er strebt die Geschichte, beziehungsweise die Heilsgeschichte in Einheit zu betrachten, indem er das Endziel der christlichen Hoffnung in der übergeschichtlichen Erfüllung der Heils­geschichte sieht.8 Sowohl die formgeschichtliche Auslegung der eschatologischen Aussagen der biblischen Exegese (als Methode), als auch die, die Unterscheidung des theologischen Inhalts, sowie der Gattungen erzielte hermeneutische Erklärung fallen auch in der ka­tholischen Dogmatik auf einen fruchtbaren Boden. Vom philosophi­schen Standpunkt aus ist der Einfluss von Martin Heidegger auf die Theologie des Todes von Karl Rahner und Ladislaus Boros beach­tenswert.9 Genauso merkwürdig ist die kosmo-theologische Ausle­gung der übermässig optimistischen antropologischen Sicht und der 6 K. BARTH, Der Römerbrief 1922. 10. Abdr., 298. Christentum „ganz und gar und restlos Eschatologie." 7 J. HABERMAS, Theorie und Praxis, 1963. 294. 8 J. MOLTMANN, Theologie der Hoffnung, 1964. Kap 1. § 3. 9 K. RAHNER, Zur Theologie des Todes, (Quaestiones Disputatae, Bd. 2.) 1963, Herder, Freiburg i.B., L. BOROS, Mysterium mortis, Olten, Zürich, 1964. 78

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