Erdő Péter - Rózsa Huba: Eschatologie und Jahrtausendwende 2. Deutsch-Ungarischer Theologentag Budapest, 3. März 2000 - Studia Theologica Budapestinensia 26. (2000)

Pál Bolberitz: Thanatologie und Eschatalogie

nach wie vor ausübt), sondern dies folgt auch daraus, dass das kirch­liche Kerygma dieses Thema vernachlässigte, während den Schwer­punkt auf die Behandlung der irdischen Aufgaben der Christen legte. Dazu hat auch beigetragen, dass viele die Lehre des Zweiten Vatica­nums einseitig interpretierten und in den nachkonziliarischen Jahr­zehnten solche theologischen und philosophischen Werke zur weit­verbreiteten Popularität gelangten, welche - von den aufgeklärten Ansichten über „die Grösse des Menschen" und die menschliche Würde fasziniert - die Fragen der traditionellen Eschatologie nicht in der übernatürlichen, sondern bloss in der natürlichen Ordnung be­antworteten. Richtig stellt P. Althaus fest: „Es geht in der Eschatolo­gie um das von Gott her zu erwartende Telos, d.h. zugleich Ende und Ziel des Menschen, der Menschheit, der Welt."3 Die Spuren der Säkularisirierung der Eschatologie sind schon in der deutschen theologischen Literatur bei Schleiermacher zu entdek- ken, der dies am Anfang des 19-en Jahrhunderts in einem Werk so formulierte: „Der deutsche Ausdruck von den letzten Dingen, der aber ziemlich allgemein angenommen ist, hat etwas befremdendes, was sich in dem Worte Eschatologie mehr verbirgt."4 Zweifellos ist hier auch der Einfluss des aufgeklärten rationalistischen theologi­schen Denkens der Protestanten wahrnehmbar, denn sie sind be­strebt, das Thema der Eschatologie in den Bereich der Religionswis­senschaft zu verlegen, da sie lehren, dass das Problem des ewigen Seins des Menschen nach dem Tod - mit dem sich die Eschatologie befasst - zum Bereich dieser Wissenschaft gehört.5 Von nun an er­langt die Eschatologie Bürgerrecht in der Welt der Wissenschaften be­züglich der Religionsgeschichte, mit der Entwicklung der biblischen Wissenschaften machen sie aber die Aussagen der Heiligen Schrift über die letzten Dinge immer mehr zum Gegenstand der Gattung und der Textkritik im Zusammenhang mit den prophetischen und apokalyptischen Formulierungen der eschatologischen Offenbarung. Diese philologische und literargeschichtliche Analyse kann sich von den profanen Wissenschaften doch nicht unabhängig machen, und 3 P. ALTHAUS, Die letzten Dinge, 1933.1. 4 F. SCHLEIERMACHER, Der christliche Glaube, 1830/31 § 159, 1. 5 K. von HASE, Gnosis oder protestantische evangelische Glaubenslehre, 1869/70. § 194. „Die Lehre vom Jenseits als Lehre von der Unsterblichkeit in ihrem geschichtlichen Teile unter dem hergebrachten Namen der Escathologie..." 77

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