Erdő Péter - Rózsa Huba: Eschatologie und Jahrtausendwende 2. Deutsch-Ungarischer Theologentag Budapest, 3. März 2000 - Studia Theologica Budapestinensia 26. (2000)

Pál Bolberitz: Thanatologie und Eschatalogie

anzunehmen, und der Gedanke, dass der Tod für einen „Teil des Le­bens" angesehen sein sollte, rückt immer mehr in den Vordergrund. Dies bedeutet: Da die Medizin „auf dem richtigen Weg" ist, alle Krankheiten zu heilen, sollte man den Tod auch nicht als einen end­gültigen und irreversibelen „Abbau" erklären, sondern er sollte - in idealen Fällen - für ein „gesundes", freies und bewusstes Ende des Lebens genommen werden, der natürlich (als unausgesprochene Ab­sicht dieser Auffassung) nicht unbedingt geschehen muss. Wenn es aber doch zum Tode kommt, soll der medizinische und psychologi­sche Dienst dem zu sterbenden Menschen behilflich sein, damit er sein Leben „menschenwürdig" beendete (vgl. Euthanasie). Die dem Tod bevorstehenden Ereignisse, sowie die Untersuchung zahlreicher aus dem klinischen Tod zurückgekehrter Menschen machten aber den sich mit der Thanatologie befassten Psychologen bewusst, dass der Mensch „nicht bloss ein Fleisch" ist, sondern in der Nähe des To­des solche geistigen und spirituellen Erfahrungen erleben kann, wel­che auf das Leben nach dem Tod gerichtet sind. Dies regt grundle­gend in dem Menschen vor dem Tod und auch später die Frage hin­sichtlich des Sinnes und Wertes des persönlichen Lebens, sowie sei­nes endgültigen Zieles an. Es ist kein Zufall, als das Buch „Life after Life" (1975) von R. A. Moody in ungarischer Übersetzung erschienen war, stand der durch den marxistischen Materialismus und Atheis­mus infiltrierte ungarische Leserkreis tagelang Schlange, um dieses Buch in Ungarisch beschaffen zu können, das in 1985 unter dem Titel „Leben nach dem Leben" von einem kirchlichen Verlag herausgege­ben wurde. In den beiden letzten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahr­hunderts scheint es - wahrscheinlich veranlasst von den säkularisier­ten Chiliasmus und dem Erkennen „der Grenzen des Wachstums" -, dass dem persönlichen Interesse für das Leben nach dem Tod auch das Interesse für das endgültige Schicksal der Welt als Kosmos, be­ziehungsweise als Geschichte folgte, das auch durch die Verbreitung der christlich inspirierten selektiven Eschatologie und Apokalyptik, sowie durch die Erkenntnis der populären Lehre der Seelenwande­rung der östlichen Religionen gewachsen worden ist. Bei den breite­ren Schichten der Gesellschaft findet jedoch die christliche bezie­hungsweise katholische Lehre über „die letzten Dinge" kaum grossen Anklang, dessen Grund nicht nur darin liegt, dass der Geist der Sä­kularisierung auch auf die Christen grossen Einfluss ausübte (und 76

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