Willi Klinkhammer: Krankenhausseelsorge im staatlichen und kirchlichen Recht - Studia Theologica Budapestinensia 21. (2000)
3. Die Praxis der Kirche - 3b) Seelsorge durch die Sakramente
3b) Seelsorge durch die Sakramente 3.4 Sakramente als Heilszeichen der Kirche Der Begriff „sacramentum" in der lateinischen Version der Bibel (die afrikanische und die „Itala") stammt vom Begriff „ pvcrrfipiov Die Kirchenväter betonen den Mysterium — Begriff für biblisch bezeugte Ereignisse als geschichtliche Verwirklichung des Heilsplanes Gottes, „des Mysteriums schlechthin".171 Die biblischen Texte, auf die man sich vom kirchlichen Altertum an zur Begründung der Krankensalbung stützt, sind Mk 6,12f. und Jak 5,14ff. Diese sind „im Zusammenhang mit der Zuwendung Jesu und der frühchristlichen Gemeinde zu sehen".172 In der Zuwendung Jesu zu den Kranken wird Gott als derjenige erkannt, „der sich den Menschen in seiner Not und Hilfsbedürftigkeit annimmt." Die Praxis der Krankensalbung war bis zum 8. Jahrhundert weit verbreitet. Vom Bischof geweihtes Öl besaßen und benutzten die Christen zu Hause. Seine Anwendung geschah durch Laien, auch durch die Kranken selbst und durch Presbyter.173 Im Zuge der karolingischen Reform entstanden im 8. und vor allem im 9. Jahrhundert Ordines mit Gebeten und liturgischen Anweisungen. Synoden drängten — mit mäßigem Erfolg — den Klerus zur Spendung der Krankensalbung. Dabei wurde noch keine Verpflichtung zum Empfang des Sakramentes ausgesprochen. Ab jetzt darf entgegen bisheriger Praxis Laien das geweihte Öl nicht mehr zur Mitnahme nach Hause gegeben werden, weil es „genus sacramenti" ist.174 Es kommt zu einer Koppelung von Krankensalbung, Bußsakrament und Eucharistie als viaticum, zunächst in der Reihenfolge Buße — Krankensalbung — Eucharistie, ab dem 13. Jahrhundert Krankensalbung „als letztes der drei Krankensakramente".175 171 Ganoczy, Sakrament, in: Neues Handbuch theologischer Grundbegriffe, Bd. 5, Seite 9. 172 Vorgrimler, Buße und Krankensalbung, in: Handbuch der Dogmengeschichte, Bd. IV, Faszikel 3, S. 216. 173 Ebd„ S. 220. 174 Ebd., S. 221. 175 Ebd.. 44