Gudrun Bohle: Die Frage der Läuterung im Alten Testament - Studia Theologica Budapestinensia 20. (1998)
II. - II.2. Ezechiel 36, 16-32
hat der Abschreiber die dazwischenliegenden Verse aus Versehen übersprungen.19 J.Lust widerspricht dieser Ansicht von Filson und zeigt, daß die Omission von Ez 36,23b-38 durch Homoioteleuton nicht haltbar ist, da diese Stelle ungewöhnlich lange ist. Außerdem müßte in diesem Fall die Fortsetzung von v.38 dieselbe sein wie im traditionellen Text, nämlich 37,1. Dies ist aber in Pap. 967 nicht der Fall. Die gleichen Phänomene treten im Codex Wirceburgensis auf. So schließt J.Lust, daß es sich hier nicht um einen versehentlichen Abschreibfehler handeln kann, sondern daß diese Stelle bereits in der hebräischen Vorlage gefehlt hat und dem griechischen Übersetzer der Septuaginta gar nicht Vorgelegen ist. 20 J.Lust geht hier weiter als W.Zimmerli in seinem großen Kommentar, der zwar auf das textkritische Problem hinweist2*, aber zur Zeit der Abfassung seines Kommentars das genaue Ausmaß des Papyrus 967 noch nicht kannte22. Allerdings muß auch angemerkt werden, daß ein Großteil der neueren Literatur zu dieser Stelle nicht auf die Textkritik eingeht.23 Die textkritischen Überlegungen werden unterstützt von Beobachtungen am hebräischen Text. Dieser weist in den vv.23b-38 einige Besonderheiten im Wortschatz auf, die sonst im Ezechielbuch 19ebd., S. 31: "It seems unnecessary to assume the loss of a sheet from the exemplar, because here ... the omission may be explained as due to homoioteleuton. In Codex 967. 36,23a ends with the words' Kai yiwaorrai (BAQ read yrcjoorrat) rá eOut) ön èyio eipi Kvpioç. The LXX text of 36,38 ends with the words: Kai ynioaorrai ön éyù (A adds eipû BQ omit) Kvpioç... Codex 967 breaks off in the middle of a verse. In doing so it has no other manuscript support. It breaks off at a point where homoiteleuton is clearly a possible explanation. All this argues that the omission was accidental. ” 20 vgl. J.Lust, Ezekiel 36-40 in the Oldest Greek Manuscript, S. 520: "... We may conclude that 36:23c-38 was not omitted by accident and add that even the most absent-minded scribe would not have easily overlooked a passage with such theological richness. ” 21 W.Zimmerli, Ezechiel, BK. XII1/2., S. 873. 22 vgl. die Bewertung des Kommentars von W.Zimmerli durch J.Lust, Ezekiel 36-40 in the Oldest Greek Manuscript, S.519. 23 vgl. ebd., S.518, Anm. 9: "... Some recent detailed studies do not even discuss the problem of the omission: J.Garscha, .. H.Simian, .. F.Hossfeld..) - siehe dazu genauere Angaben im Literaturverzeichnis. 72