Gudrun Bohle: Die Frage der Läuterung im Alten Testament - Studia Theologica Budapestinensia 20. (1998)

II. - II.2. Ezechiel 36, 16-32

II.2. Ezechiel 36,16-32. H.2.1.1. Abgrenzung des Textes. In den meisten Kommentaren wird Ez 36,16-38 als eine Einheit behandelt. Der Beginn wird eindeutig markiert durch die Wortereignisformel: v.16 “1CX5 'SK mn' "121 Wl "und das Wort Jahwes erging an mich." Es setzt dadurch formal neu ein gegenüber dem vorhergehenden Spruch über die Berge Israels. Auch der Inhalt ist vom vorherigen Spruch unterschieden. Das Ende der Einheit kann verschieden angesetzt werden. Die Verse 33-35 und 37-38 sind inhaltlich eine Fortsetzung des vorherigen Spruches und gehören somit zu diesem dazu. Allerdings erweisen sie sich als spätere Anfügungen. V. 33 und v.37 führen durch die Formel nrr 'SIN ICK ns "So spricht der Herr Jahwe" jeweils ein neues Gotteswort ein.1 Der Beginn dieser beiden Verse ist eine Wiederholung von v.22. Dies läßt vermuten, daß sie jünger sind als der Rest des Textes2. Außer den formalen Überlegungen sprechen auch inhaltliche Unterschiede dafür, diese Verse als spätere Ergänzung zu betrachten.3 Sie legen den Akzent auf die materielle Neugestaltung in der Zukunft. Es wird beschrieben, daß Land und Städte wieder bewohnbar werden und das Volk sich mehrt. H.F.Fuhs geht sogar so weit, auch die Verse 29-32 als Nachtrag zu bezeichnen, da auch hier nach dem geistigen Prozeß der Befreiung bereits der materielle 1 vgl. W. Eichrodt, ATD 22,2, 1966, S. 352: "Die schwerfällige Wiederaufnahme der Jahwerede in V.33 und 37 sind deutliche Hinweise auf diese spätere Erweiterung." Ebenso argumentiert W.Zimmerli, Ezechiel II., BK. XIII/2, S.872.: “Beide Einheiten geben sich durch ihre Einleitungen als Nachträge zu erkennen. " 2 F.Hossfeld, Untersuchungen zur Komposition und Theologie des Ezechielbuches, 1977, S. 339 und 340. Er weist diese beiden Nachträge der "jüngsten Phase der Bearbeitung des Ezechielbuches " zu. 3 vgl. W.Eichrodt, ATD 22/2, 1966, S. 352: “..V.33-36 und 37.38. (erweisen) sich als sukzessiv angebrachte Ergänzungen, durch die die bei Hesekiel vorliegenden Ansätze breit ausgeführt werden und besondere Lieblingswünsche der späteren Generationen, wie etwa die Errichtung befestigter Städte und die Mehrung der kleingewordenen Volkszahl (..), deren Vorenthaltung die Heimkehrer besonders bitter zu spüren bekamen, in die Zukunftsschilderung Einlaß fanden. ” 68

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