Folia Theologica 22. (2011)
Kuminetz Géza: Rechtliche, religonsphilosophische und psychologische Gesichtspunkte der Busse
90 Géza KUMINETZ Kategorie des in der Psychologie verbreiteten Über-Ichs identifizierbar ist, das durch die Angst des Verlierens der Liebe genauer gesagt des Angenommenseins geleitet wird, und das kann den Menschen verblenden und zu einer Blindheit gegenüber den Werten führen. Die Stimme des Gewissens hält den Menschen durch die Busse im Strom der Liebe beziehungsweise sie schaltet ihn in die wirkliche Liebe zurück. Sonst erreicht man die geistige Gesundheit nicht. Die Sünde und die Reue steht auch mit dem Identitätsbewusstsein der Person in Verbindung,30 das die Beziehungen mit den Idealen ausdrückt, genauer gesagt das Engagement für sie. Das ist also eine mühsamer und positiver Vorgang beziehungsweise eine Entscheidung, das sich heutzutage allmählich vermindert: Infolge der Säkularisation nimmt die die Identität unterstützende Rolle der Kirchen ab. (...) Ohne positive Identitätsstützpunkte kommen die negativen Identitätspunkte in den Vordergrund. Die Selbstdefinitionen wie etwa „ich bin nicht so wie" sind die Quellen für dauerhafte Wut, Hass und Vorurteile. In geschichtlicher Perspektive veranlassen sie blutige und zerstörende Kriege. In unserer Zeit weist der Terrorismus auf die bestimmende Rolle der negativen Selbstidentitäten. (...) Die für unser Zeitalter im allgemeinen charakteristischen Identitätsprobleme, die auch Spannungen zwischen den verschiedenen Gruppen verursachen, tauchen am meisten in der Kategorie von Persönlichkeitsstörungen auf. Im Hintergrund der Bezeichnung Psychopathologie stecken allgemeinere, die Funktionsstörungen der Person zeigenden Eigenartigkeiten: - Eine extreme Stufe der Individualisation. Die Person existiert nur von sich 30 Unter Identitätsbewusstsein ist folgendes zu verstehen: „Die Selbstidentität des Menschen ist ein Bestandteil des Subjekts und Bewusstseins. (...) Die Identität gehört nicht zur Persönlichkeit, falls wir die Persönlichkeit als die Gesamtheit von individuellen Eigenschaften bestimmen, sondern sie ist ein Bestandteil der Welt. Die Identität ist also keine psychologische sondern eine antropologische Kategorie, die ein unentbehrlicher Bestandteil des Menschenseins ist. (...) Wichtigere Identitätspunkte: geschechtliches Identitätsbewusstsein, sprachliche und ethnische Wesenseinheit, geschichtliche und nationale Identität, kulturelle, beruflliche Weseneseinheit, religiöse Zugehörigkeit, negative Identitäten (Abgrenzungen). [...] Ein wichtiger Komponent der Identität ist das Engagement für eine Person, Berufung, Religion oder Ethnikum. Zur gleichen Zeit hat das Engagement auch eine negative Seite: nein sagen zu anderen Engagementmöglichkeiten". Vgl. Trin- ger, L., Bocsánat és kiengesztelődés [Vergebung und Versöhnung], in Vigilia 72 (2007) 783.