Folia Theologica 22. (2011)

Kuminetz Géza: Rechtliche, religonsphilosophische und psychologische Gesichtspunkte der Busse

74 Géza KUMINETZ chemischen und biologischen, heute jedoch sogar die pädagogischen und psychologischen Gesetze auf solche Weise in seinen Dienst stellen, dass das ein Missbrauch mit der Ordnung des Kosmos, ein Missbrauch mit den Grundprinzipien der moralischen und der auf sie bauenden rechtlichen Ordnung ist. Der Mensch wird den Grundsätzen gegen­überstellen, die nicht er geschaffen sondern nur erkannt oder/und verneint hat. Daher kommt die Sünde und das Schuldgefühl, das die Person, die Familie und das Volk nicht nur dem Mitmenschen, der Fa­milie, der Heimat und der Familie der Völker gegenüberstellt. Daher auch die Erkenntnis, dass der Schuldige durch die Sünde auch die Gottheit ver letzt. Auf diese Weise kann im Lichte der vier philosophi­schen Grundwahrheiten verstanden werden, warum der Mensch sein­er Natur gemäss ein religiöses Wesen ist. 1. Ist die Pönitenz aufgrund der Philosophie zu beweisen? Der Weg der Befreiung vom Schuldgefühl zeigt sich im Lichte der psy- chologia rationalis vielleicht am meisten in der Sehnsucht und Not­wendigkeit der Genugtuung. Ihre Formen können sich von Zeit zu Zeit unterscheiden, ihre Quelle wird jedoch immer die folgenden drei grundlegenden Wahrheiten sein: 1) Der Mensch ist „kein unabhängi­ges Wesen, das von sich selbst geschaffen wurde. Sein Dasein kann er einem anderen Wesen verdanken, das wesentlich anders ist als der Mensch selbst. (...) Der Name ändert sich, die Bedeutung ist aber über­all dieselbe: die Anerkennung eines höchsten Geistes, der Herr ist, von dem das Leben aller Menschen abhängt, der die Bestimmung des Men­schen vorschreibt, der für ihn sorgt und von dem der Mensch nach die­sem irdischen Leben das ewige Leben erwartet. 2) Es gibt eine Gesetz­mässigkeit. Es gibt befohlene und verbotene Sachen. Darum gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Guten und dem Bösen. 3) Der Mensch hat die Sicherheit über das Schuldgefühl und die Strafe der Sünde. Das höchste Wesen ist der direkte oder indirekte Verfasser der Befehle, und er verschafft ihnen auch Geltung. (...) Die Stimme des Gewissens kann ab und zu für eine kürzere oder längere Zeit vers­tummt werden, sie ist jedoch endgültig zu betäuben. Die Stärke ihrer Unruhigkeit wird sich nach der Grösse der Sünde, der Empfindlichkeit der Seele, der Qualität derer Erziehung, der Reinheit und Erhobenheit der Religion unterscheiden, sie wird jedoch nie vollkommen fehlen.

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