Folia Theologica 22. (2011)

Kuminetz Géza: Rechtliche, religonsphilosophische und psychologische Gesichtspunkte der Busse

RECHTLICHE, RELIGIONSPHILOSOPHISCHE ... 69 kaum mehr achtet. Auch deshalb sind die Worte des Professors Justin Baranyai aktuell: „Wenn wir die geistige Geschichte eines beliebigen Volkes, einer beliebigen Zeit und Kultur untersuchen, erschliesst sich klar vor uns, dass eines der grössten Probleme des religiösen Geistes immer, überall und zu jeder Zeit die Sünde war. Das Schuldgefühl, das einen verstimmt, ermattet, quält und das Lebensfühlen vermindert, zur gleichen Zeit veranlässt, bewegt und befähigt es einen jedoch auch zu einer ausserordentlichen Energieentfaltung, wenn es das Verlangen und die Sehnsucht entstehen lässt, zu fliehen, sich zu reinigen, sich aufzuheben und der Sünde zu entkommen.2 Auf dieselbe Wahrheit hat auch Lajos Kontor hingewiesen, nach dem das psychologische Unter­suchen der Beichte »in Mode gekommen ist«, und das Ergebnis davon ist die Befreiung von der Last der Sünde, das heisst das in die mensch­liche Natur eingeimpfte Gesetz. Mit anderen Worten: die Beichte wur­de trotzdem nicht von der römischen Kirche erfunden, sondern die Sehnsucht nach der Beichte lebte und lebt auch in den primitiven Men­schen, sogar in denjenigen, über deren Gewissen die römische Kirche nicht herrschen konnte oder kann, (...) denn bei den primitiven Völ­kern war eine Form der Beichte schon vor dem Erscheinen der Missio­nären zu finden".3 Mit dieser Studie möchten wir dazu beitragen, dass durch ihre Hilfe ein jeder die Sünde und das Schuldefühl richtiger beurteilen kann. Das hilft uns bei dem Erkennen der Wahrheit, dass die Sünde und das Schuldgefühl das Leben von allen ehrlichen Menschen unvermeidlich begleiten,4 von denen sich jeder normale Mensch befreien möchte, das heisst man will die Vergebung seiner Sünden erhalten sowie dadurch das Bissen des Schuldgefühls wegen der Sünde aufheben. 2 Vgl. Slachta I., A penitenciatartás lélektani megvilágításban [Die Pönitenz im Lichte der Psychologie], Budapest 1939. 5. Im weiteren werden wir uns vor allem auf dieses Werk beziehen und unsere Untersuchungen nach den Richtlinien des oben erwähnten Verfassers führen. 3 Vgl. Kontor, L., A gyónás, mint társadalmi és közjogi aktus a primitív népeknél [Die Beichte als gesellschaftlicher und allgemeinrechtlicher Akt bei den pri­mitiven Völkern], in Theologia 4 (1937) 175. 4 Die Unschuldigkeit verlieren wir notwendigerweise. Nach dem Verlieren der ersten Naivität ist das Erkämpfen der zweiten Naivität eine äusserst schwierige Aufgabe. Vgl. Brandenstein, B., Etika [Ethik], Budapest 1938. 239.

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